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Sollen wir unsere Kultur schützen?

Wie auch beim letzten Wahlkampf werden von Politikern primär der rechten Reichshälfte ganz gern Ängste bezüglich des Verlustes unserer Kultur aufgrund der Zuwanderung geschürt. Von Islamisierung und Entfremdung ist da die Rede. Wir müssen unsere Kultur schützen, indem wir die Grenzen dicht machen. Klingt ja auch nicht ganz unvernünftig. Man muss nicht als konservativ qualifiziert werden, wenn man Gewohntes und Liebgewonnenes schützen will.

Aber von welcher Kultur ist da die Rede?

Ich hab mich hingesetzt und versucht meine Kultur zu beschreiben. Zuerst stand bzw. saß ich vor dem Problem, dass mir die Definition des Wortes Kultur gar nicht geläufig ist. Laut Duden ist Kultur die “Gesamtheit der geistigen und künstlerischen Lebensäußerungen einer Gemeinschaft, eines Volkes”. Also eh alles, was ein Volk, eine Gemeinschaft ausmacht.

Was ist dann unsere Kultur? Kann ich sie überhaupt beschützen? Steckt nicht bereits in der Definition des Wortes schon die ständige Änderung und Entwicklung drinnen?

In Deutschland wurden vor kurzem Mitglieder der geistigen bzw. wirtschaftlichen Elite nach der Deutschen (“Deutschländischen”) Kultur befragt. Schnell waren da Begriffe wie Fleiß, Pünktlichkeit, Verlässlichkeit, Genauigkeit gefunden. Die Frage, ob sich der/die jeweils Befragte in den selbst genannten Begriffen wiederfand, verneinten die meisten.

Gut, also begann ich mit der Suche nach meiner Kultur, bin dabei zwangsläufig auf meine Kindheit und Jugend gestoßen und werde hier in aller Kürze und vor allem wertfrei aber einseitig und verallgemeinernd ohne Anspruch auf Vollständigkeit aufzählen, wie wir noch vor weniger als 25 bis 35 Jahren hier in Wien, bzw. genauer im Westen Wiens gelebt haben, was also unsere Kultur war.

Mein Vater war Handwerker und stolz darauf einen Posten bei der Gemeinde Wien bekommen zu haben. Er war zwar schlecht bezahlt, brachte aber eine Dienstwohnung und Jobsicherheit mit sich. Überhaupt war ein Posten im öffentlichen Dienst, bei Post und Bahn oder der staatlichen Industrie sehr gefragt und die Bediensteten besser angesehen. Auch wurde man von seinem Dienstgeber noch nicht als faul beschimpft. Meine Mutter war zuhause und hat sich um uns Kinder und den Haushalt gekümmert, was absolut normal war. Ein Mann wurde dafür bezahlt oder betrat die Küche einfach nicht. Meine Mutter betätigte sich später auch als Heimarbeiterin. Wir konnten uns ein mittelgroßes Auto und jedes Jahr einen mehr als einwöchigen Aufenthalt in Jugoslawien am Meer leisten. Damit hatten wir so manchen unserer Schulkollegen schon einiges voraus. Beinahe jedes Wochenende verbrachten wir bei meinen Großeltern väterlicherseits, wo meine Eltern Karten spielten. Einmal im Monat besuchten wir die Großeltern mütterlicherseits. Meine Eltern ließen sich später scheiden. Zu dieser Zeit erzählte man das noch nicht herum, man kannte auch noch nicht so viele Geschiedene. Für die Ehepartner stellte eine Scheidung eine klare Niederlage dar und wir Kinder wussten sowieso nicht so recht, wie wir damit umgehen sollten. Ich hab das erst Wochen später meinem besten Schulfreund im Zuge eines Kinobesuchs erzählt.

Damals gab es in jedem Wiener Bezirk ein oder mehrere kleine Kinos. Dementsprechend musste man manchmal quer durch die Stadt anreisen, wenn man einen bestimmten Film sehen wollte. Kinocenter gabs keine, Getränkehalter an den Klappsitzen aus Holz auch nicht. Reihen mit mehr Beinfreiheit waren teurer. Die Kinosäle hatten nur in sehr großen Kinos einen ansteigenden Boden. Die vergleichsweise winzige Leinwand mit einem Seitenverhältnis von 2:3 hing hoch oben, damit auch die Besucher in den hinteren Reihen der flachen Kinos etwas sehen konnten. Saßen weniger als fünf Leute im Saal, konnte es passieren, dass die Vorstellung abgesagt wurde. Wir hatten zwei Fernsehsender, von denen nur der erste den ganzen Tag ein Programm lieferte. In der Nacht gab es gar kein Fernsehprogramm. Auf FS-2 wurde das Programm von Mittag bis 17 Uhr unterbrochen. Dann begann dort das Kinderprogramm, das um 18:30 Uhr wieder endete. Damit ergab sich für meine Schwester und mich die logische Tagesgliederung: bis Mittag in der Schule, danach zuhause Mittagessen und ab ins Freie, damit wir rechtzeitig zum Kinderprogramm vor dem Fernsehgerät Platz nehmen konnten.

Political correctness gab es nicht. Behinderte wurden als solche bezeichnet. Geistig oder seelisch Kranke galten als gestört und wurden auch so genannt. Frauen wurden nach heutigen Begriffen in der Arbeit fast permanent sexuell belästigt. Texte wurden grundsätzlich nicht geschlechtsneutral geschrieben. Schwarze Menschen wurden als Neger bezeichnet. Beim Begriff Tschuschen, wie die südländischen Gastarbeiter oft genannt wurden, wussten wir immerhin schon, dass das auch als Beschimpfung ausgelegt werden konnte. Anstatt ihnen Deutsch beizubringen sprachen viele mit ihnen im Akzent dieser Ausländer. Moslemische Kinder wurden als Mohammedaner bezeichnet und fielen nur auf, wenn sie weiblich waren, weil sie dann Kopftücher und Kleider tragen mussten. Allerdings hat auch meine Großmutter das Haus niemals ohne Kopfbedeckung (zumeist ein Kopftuch) verlassen und wäre schon gar nicht barhäuptig in die Kirche gegangen. Wir wussten nicht viel über fremde Glaubensrichtungen. Es war auch nicht wichtig. Wir gingen jeden Sonntag in die Kirche, die auch an normalen Sonntagen gut gefüllt war. Zu Weihnachten und Ostern musste man schon lange vor der Messe in der Kirche sein, wenn man noch einen Platz bekommen wollte. Auch der Unterricht in der Schule begann mit einem Morgengebet. Samstags ab Mittag und am Sonntag waren alle Geschäfte geschlossen. Als an einem Sonntag im Dezember 1975 die OPEC-Terroristen Schnüre und Scheren verlangten, war es selbst für unsere Behörden schwierig genanntes aufzutreiben, weil ja kein Geschäft geöffnet hatte.

Diese Terroristen reisten übrigens mit der Straßenbahn an. Die war innerhalb der Stadt auch für uns das Verkehrsmittel der Wahl. Sie fuhr langsam, war dafür recht laut und sie zu erklettern war für Ältere, Behinderte oder Mütter mit Kinderwagen (Väter mit Kinderwagen gab es nicht) nicht ganz einfach. Behindertenfreundlichkeit oder gar Barrierefreiheit kannte man noch nicht. Wer einem älteren seinen Platz nicht von sich aus anbot, wurde geschimpft. Es gab in Wien kaum Ampeln oder geregelte Kreuzungen. Das erforderte mehr Disziplin im Straßenverkehr, die aber im allgemeinen auch vorhanden war. Dort wo es Ampeln gab, blieb man bei rot in jedem Fall stehen. Gehupt wurde wenn überhaupt nur ganz kurz um zu grüßen oder jemanden auf etwas hinzuweisen. Um andere Verkehrsteilnehmer zu beschimpfen verwendete man die eigene Stimme. Geblinkt wurde lang vor der Kreuzung. Vor unserer Schule gab es eine Politesse. Die trug eine Polizeiuniform, war aber nur dafür zuständig die Autos aufzuhalten, wenn ein Kind die Straße überqueren wollte. Die Verbrecherjagd war wie die Armee eine rein männliche Angelegenheit. Ein Bewusstsein, dass Autoabgase schädlich sind, gab es nicht. Überhaupt war sowas wie Umweltbewusstsein kaum vorhanden. Rauchende Schlote, Autobahnen und die Umstellung von Straßenbahn auf Autobus waren ein Zeichen des Fortschritts. Fliegen war allerdings unerschwinglich. Man legte größere Entfernungen mit dem Auto oder dem Zug zurück. Ab 16 schnallten sich im Sommer die meisten von uns einen monströsen Rucksack um und verschwanden für vier Wochen mit der Bahn ins Ausland. Wenn die Eltern Glück hatten, bekamen sie nach Rückkehr der Kinder irgendwann eine Ansichtskarte. Eine Karte brauchte von Griechenland nach Wien über sechs Wochen.

Wir sprachen Österreichisch. Demnach hatten Zahlwörter kein oder das männliche Geschlecht. Wir trugen Leiberl und die Jeans gab es als Einzahlwort ohne s. Fugen- und Mehrzahl-S waren allgemein nicht sehr beliebt, weil sie stark an die Sprache unserer Lieblingsnachbarn (die Piefke ohne s) erinnerten. Unsere Kinder waren Buben und Mädchen. Es gab keine Location. Künstler traten am jeweiligen Veranstaltungsort auf und performten nicht. Im Gesicht hatten wir Wimmerl, ein Pickel war ein hammerähnliches Werkzeug. In der Börse hatte wir die Marie, aber die Kohle im Keller. Die Polizei wurd als He bezeichnet und bestand aus Kiberern. Bullen gab es nur auf der Weide oder im Stall. Musik nahmen wir auf Bändern oder Kassetten auf und klebten Pflaster auf oder wickelten einen Verband um unsere Wunden. Tapes gabs nur im Englischunterricht. Am heiligen Abend und nicht bereits im November wurden Christ- und nicht Weihnachtsbäume aufgestellt. Das Christkind brachte die Geschenke. Den Weihnachtsmann kannten wir nur aus amerikanischen Filmen bzw. als heiligen Nikolaus, den wir am 6. Dezember feierten. Die Weihnachtmärkte hießen folgerichtig ausschließlich Christkindlmarkt. Halloween war gänzlich unbekannt, dafür wusste ein sehr großer Bevölkerungsanteil was zu Weihnachten bzw. zu Ostern gefeiert wird.

Wir waren mit allen Lehrerinnen und Lehrern per Sie und wurden bestraft, wenn wir respektlos waren. Die Lehrer hatten generell weniger Ahnung von Pädagogik, dafür mehr von ihrem Unterrichtsfach. Zu spät zum Unterricht zu erscheinen war ein schweres Vergehen. Man war allgemein pünktlicher. Es gab ja auch nur sehr eingeschränkte Möglichkeiten jemanden über seine Verspätung zu informieren. Insgesamt legte man mehr Wert auf Höflichkeit. Auf der Straße wurden der Polizist und auch der Briefträger gegrüßt. Im Rundfunk bemühte man sich eine gepflegte Sprache zu sprechen. Straßeninterviews klangen daher oft sehr lustig.

Wir ernährten uns von Fleisch oder Wurst. Es war sogar ein Kennzeichen für einen hohen Status, wenn man viel Fleisch aß. Gemüse wurde verkocht und geschält oder sonst irgendwie seiner Nährstoffe entledigt, bevor es verspeist wurde. Wir tranken Dicksaft und kohlensäurehaltiges Mineralwasser. Leitungswasser wurde nur getrunken, wenn nichts anderes zur Verfügung stand. Zuhause gab es nur Filterkaffee und in Lokalen ausschließlich Espresso in bei Torberg nachlesbaren Versionen. In öffentlichen Verkehrsmitteln wurde kein Kaffee getrunken, dafür hatte aber niemand etwas dagegen einzuwenden, wenn man eine Leberkässemmel in Bus oder Bim zu sich nahm. An jedem Eck stand ein Würstelstand. Ganz selten gabs dort Pizza. Kebab, Döner und wie das alles heißt, kannten wir noch nicht. Zu besonderen Anlässen bekamen auch Kinder alkoholische Getränke, ohne dass sich jemand dabei etwas dachte. Der Staat förderte die Ausgabe von Milchprodukten an Schulkinder. Geraucht wurde überall und immer. Selbst in U-Bahnstationen oder im Flugzeug war es erlaubt zu rauchen und das Kind am Arm kein Hindernis. Das Gesundheitsbewusstsein war weit unterentwickelt. Wir erwarteten vom Arzt, dass er jeden Schaden reparieren konnte und hinterfragten in der Öffentlichkeit nie seine Entscheidungen und Anordnungen. In der Medizin galt alles natürliche als ungesund. Natürliche Geburt, Heiltees, Akupunktur, Homöopathie, etc. war etwas für Kurpfuscher. Man entfernte schon beim geringsten Verdacht die Mandeln. Vitamintabletten wurden Obstverzehr vorgezogen. Schwangere und tatsächlich Erkrankte wurden auf Teufel komm raus mit Chemie eingedeckt.

Letzteres galt in vielen Lebensbereichen. Natürliches oder Althergebrachtes war unmodern. Wir kleideten uns in Plastik und Gummi. Farben mussten nicht zusammenpassen. Unsere Frisuren bestanden primär aus Klebstoff. Unsere Wohnhäuser wurden aus Stahlbeton in schauderhaftem Stil und ohne Isolierschicht mit Fenstern bestehend aus nur einem einfachen Glas errichtet. Unsere Möbel waren aus Tropenholz oder Plastik. Spielplätze wurden betoniert. Fürs Ballspielen wurden Käfige um den Betonplatz errichtet. Die Musik war elektronisch generiert und sollte möglichst unnatürlich klingen.

Politisch waren wir ziemlich ambivalent. Kommunismus war böse, aber gegen Sozialismus hatte man nichts einzuwenden. Amerika galt noch als der große Befreier und man verlor kein böses Wort über die Amerikaner, weil man sie als Schutzmacht gegen die Soviets benötigte. Dass in den USA teilweise noch die Rassentrennung galt und Sozialisten verfolgt wurden, wurde geflissentlich verschwiegen bzw. kritiklos hingenommen. Allerdings waren wir als Kinder über die politischen Vorgänge nicht besonders gut informiert. Es gab noch keine Gratiszeitungen und keine Medien, die uns in kleinen Häppchen das wichtigste zwischen durch eingaben. Im Unterricht hielt man sich bei Themen der Tagespolitik und der jüngeren Geschichte nobel zurück. Insgesamt war die Informationsbeschaffung viel schwieriger. Was man nicht wusste musste man erfragen oder nachschlagen. Bekam man zuhause oder in der Schule keine zufriedenstellende Antwort oder war das benötigte Nachschlagewerk nicht vorhanden, musste man in die Bibliothek. Oftmals gab man sich daher mit Halbwahrheiten, Gerüchten oder Legenden zufrieden.

Diese Aufzählung ist lückenhaft, zeigt aber welchen Änderungen unsere Kultur auch in einem relativ kleinen Zeitraum wie den hier betrachteten 25 bis 35 Jahre unterworfen ist. Die Zeit damals war weder besser noch schlechter als die heutige, sie war einfach anders.

Weitaus mehr als durch Zuwanderung wird unsere Kultur durch den technischen Fortschritt, die Erweiterung unseres Wissens, den einfacheren Informationserwerb und die globalisierten Medien geändert. Und viel mehr, als es die Zuwanderer jemals können, haben wir immer schon freiwillig fremde Kulturen kopiert und Teile davon in unsere eigene integriert.

Was dem Hitler die Juden…

Als Regierender oder Herrscher hat man dafür zu sorgen, dass das Volk auf der richtigen nämlich der eigenen Seite bleibt. Um das zu erreichen, kann man z. B. Dinge tun, die gut für das Volk sind, bzw. die vordergründig gut ausschauen. Leider findet sich aber immer jemand, dem das nicht genügt oder der das Propagandahafte daran entdeckt. Wenn der laut genug schreit, muss man sich etwas Neues einfallen lassen. Eine viel bessere Methode scheint es daher zu sein, einen Feind zu finden. Wenn aber kein Feind zur Hand ist, dann muss man sich halt einen machen. Adolf Hitler hat es sich einfach gemacht und sich an den Juden bedient. Antisemiten gibt es schon solange unsere Geschichte aufgeschrieben wird. Und das Volk hat fleißig mitgemacht. Heute ist die Sache zwar etwas schwieriger, weil die Bevölkerung allgemein aufgeklärter ist als damals, aber mit etwas Fantasie findet man schon seinen Feind. Man nehme einfach das hauptsächliche Wahlkampfthema des lästigen sogenannten dritten Lagers und suche sich das Faktum, das daran am wenigsten verwerflich scheint und voila: der Feind in Person aller nicht deutsch sprechenden Einwohner dieses Landes ist gefunden.

Wen nervt es denn nicht, wenn man in der Straßenbahn, im Warteraum wo auch immer, im Supermarkt und im Schulhof kein Wort versteht, weil sich die Mitwartenden, -fahrenden, -einkaufenden, -pausierenden in einer unverständlichen Sprache unterhalten? Wer freut sich darüber, wenn er es ständig mit Klienten zu tun hat, die sich kaum verständlich machen können? Ein gutes Thema also für fast alle politischen Richtungen.

Unlängst hörte ich einen meiner Kollegen sehr freundlich zu einem Patienten sagen, dass er nächstes Mal bitte einen Dolmetscher mitbringen solle, weil seine Deutschkenntnisse zu schlecht für ein brauchbares Arztgespräch seien. Damit hat er sicher nicht unrecht gehabt. Trotz all der Technik über die unsere moderne Medizin verfügt, ist ein ordentliches Gespräch – Anamnese genannt – unumgänglich um zu einer korrekten Diagnose und letztendlich auch richtigen Therapie zu kommen. Der angesprochene Patient ist erst recht kurz in Österreich, hat aber den staatlich verordneten Deutschkurs absolviert.

Das Innenministerium schreibt zum Thema Niederlassungs- und Aufenthaltsgesetz, dass Grundkenntnisse der deutschen Sprache erforderlich sind um einen dauerhaften Aufenthaltstitel zu erhalten. Der Ausländer erspart sich den Besuch eines entsprechenden Kurses, wenn er unsere Sprache in der Heimat mit mindestens dem Niveau unserer neunten Schulstufe in der Schule gelernt hat. Diese Deutschkenntnisse seien besonders wichtig um “am gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Leben in Österreich teilhaben zu können”. Liebes Innenministerium! Mit lediglich Grundkenntnissen werde ich weiterhin Probleme haben am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können. Aber auch Pflichtschulniveau reicht nicht, um mich lückenlos ausdrücken zu können. Der geneigte Leser hat mit großer Wahrscheinlichkeit acht oder mehr Jahre an einer Österreichischen Schule englisch gelernt. Hand aufs Herz, wissen Sie/weißt Du was “Durchfall” auf Englisch heißt? Die Diskrepanz der beiden gesetzlich geregelten Möglichkeiten (Grundkenntnisse hier erworben/Pflichtschule hier besucht oder im Ausland entsprechendes Niveau erworben) erklärt sich ganz einfach daraus, dass man zwar seinen Feind braucht aber genau weiß, dass es den Deutschkurs nicht gibt, der den Migranten in kurzer Zeit sprachlich assimiliert.

Also wenn ich es einerseits für notwendig halte, dass alle Einwanderer entweder schon Deutsch können oder es hier schnell erlernen, ich dafür aber nicht suffizient sorgen kann, denn eine Sprache wirklich zu lernen dauert nun einmal viele Jahre, dann müsste ich folgerichtig die Grenzen sofort dicht machen. Andererseits… da gibts ja noch die EWR-, die EU-Bürger und die Schweizer. Die brauchen gar keinen Aufenthaltstitel und ergo auch keine Deutschkenntnisse. Ja, wir können nicht einmal voraussetzen, dass die alle Englisch können. Was mach ich denn mit denen? Oder jene, die wir selbst in den 60er- und 70er-Jahren des letzten Jahrhunderts in Südeuropa angeworben haben und die natürlich ihre Familien geholt oder hier neue Familien gegründet haben. Die sind zum Großteil Österreicher, sprechen aber mit großer Wahrscheinlichkeit untereinander nicht Deutsch. Wenn sie vernünftig sind, dann haben sie ihren Kindern die eigene Muttersprache beigebracht. Die können wir gar nicht in die ehemalige Heimat, bzw. das Herkunftsland ihrer Vorfahren zurück schicken. Spindelegger behauptet, dass wir dringend qualifizierte Einwanderer brauchen und Fekter konkretisiert, dass die schon zuhause Deutsch gelernt haben müssen. Klingt gut, aber wie gut – siehe oben – wird deren Deutsch sein? Menschen, die in Österreich Asyl zugesprochen bekommen, arbeiten meist dort, wo sie von anderen Ausländern bzw. Österreichern niedrigen Bildungsniveaus umgeben sind. Wo sollen die ein ordentliches Deutsch lernen? Wohlhabende Österreicher nehmen ihre Kinder aus den öffentlichen Schulen und vergrößern dort das Problem der schlechten Deutschkenntnisse der Schüler.

Österreich ist und war schon immer, auch wenn das immer geleugnet wird, ein Einwanderungsland. Wenn man ein vor allem Ostösterreichisches Telefonbuch aufschlägt, findet man Namen aus aller Herren Länder. Der typische Wiener hat Böhmische, Polnische oder Ungarische Vorfahren. Ich bin von meiner Herkunft ein typischer Wiener. Meine Großmutter ist in Slowenien geboren, ihr Vater war Serbe und der Vater meines Großvaters war der Spross eines Böhmen und einer Ungarin. Mein Name dürfte aus Schlesien stammen. Wien war schon immer ein Schmelztiegel. Die Österreichischen Regierungen betonen ständig, dass die gute Beziehung zum Osten ein enormer wirtschaftlicher Vorteil für uns ist. Woher kommt den das? Österreich wird ein Einwanderungsland bleiben, weil sonst aufgrund des negativen Bevölkerungswachstums unser Sozialsystem zusammenbrechen würde. Und wie schon Christian Rainer vor Kurzem geschrieben hat, ist Österreich eines der reichsten Länder dieses Planeten und hat daher die moralische Pflicht Verfolgte, Geschändete, Gequälte oder einfach nur Hungernde aufzunehmen.

Nichts und niemand wird also ändern können, dass Menschen mit schlechten oder nicht vorhandenen Deutschkenntnissen nach Österreich zuwandern. Damit müssen wir uns abfinden und uns anpassen. Wir müssen uns bemühen sie ordentlich zu integrieren, dann werden sie automatisch unsere Sprache lernen. Dazu gehört aber auch sie ihre eigene Sprache sprechen zu lassen, sonst ist eine Integration nicht möglich. Was also Fekter, Häupl und Co. von sich geben ist nichts anderes als hirnloses Wahlkampfgetöse, dass den Rechten noch in die Hände spielt.

PS: Wann wird Maria Fekter eigentlich den Österreichern Anna Netrebko, Francesca Habsburg-Lothringen oder Ivica Vastic die Deutschprüfung abnehmen?

Gespräch zwischen Wienern

Mir läuft heute völlig unerwartet eine ehemalige Kollegin über den Weg, die schon seit einigen Jahren in Ruhestand ist.

Ich (überrascht): “Frau Oberarzt!”

Sie (auch überrascht): “Herr Hanisch!”

Handschütteln

Ich: “Wie gehts ihnen? Gut schaun sie aus.”

Sie: “Ja danke, sie schaun aber auch gut aus.”

Ich: “Ja leider. Ich glaub der geht nicht mehr weg.”

Anglizistischer Germanismus oder doch umgekehrt?

Ich bin immer wieder fasziniert, wie es auch unsere selbsternannte Sprachelite (Zitat: die richtige Aussprache hört man im Radio) in Form der versammelten Redakteure und Präsentatoren meines dennoch liebsten Radiosenders Österreich 1 schafft, Anglizismen ins Deutsche zu übersetzen und derartig nachhaltig als richtig zu verkaufen. Hier nur einige Beispiele:

Nichts macht Sinn. Dinge sind sinnvoll oder eben nicht. Sinn wird nur im Englischen gemacht, hierzulande wird Sinn gehabt oder ergeben. Sinnlos ist also der Versuch der Sinnesproduktion.

Wörter können nicht meinen. Ein Wort kann bestenfalls etwas bedeuten. Dinge meinen prinzipiell nichts, können Sie doch auch keine Meinung haben. Also ist meint im Zusammenhang mit es nur dann richtig, wenn von einem Mädchen oder sehr unmodern Fräulein getan. Trotzdem hört man die Phrase “das meint” beinahe schon täglich.

Einen Doppelfehler begeht jemand, der fragt, welches Blatt jemand auf der Hand hat. Denn die Hand ist ja bereits das Blatt. Zumindest dort, wo man englisch spricht. Wir haben Karten im Blatt oder bestimmte Werte in den Karten. Auf der Hand haben wir höchstens Schwielen, meistens haben wir die jedoch auf den Händen, wenn auch wahrscheinlich nicht vom Kartenspielen. Englisch sind verschwielte Hände übrigens horny, aber ich versuche nicht mir vorzustellen, wonach die gieren.

Wen jemand einen guten Job macht, dann sollte das ja eigentlich kein Grund zur Freude sein. Ich zumindest ärgere mich meistens, wenn mir jemand Arbeit macht, selbst wenn dieselbe gut ist. Jedoch freue ich mich über gute Arbeit, die jemand erledigt oder verrichtet hat, wenn auch so manche Verrichtung etwas anrüchig sein könnte.

Warum Hohlkörper?

HohlkörperDieses Blog trägt den Namen Hohlköper als Synonym für all die Ungereimtheiten des täglichen Lebens. Exemplarisch hier die Tatsache, dass Dinge nicht so bezeichnet werden, wie sie eigentlich heißen und das manchmal aus nicht nachvollziehbaren Gründen.

Eines dieser Beispiele ist, dass in Teilen Niederösterreichs Plastikbehälter zur Entsorgung in den Behälter mit der Aufschrift Hohlkörper zu werfen sind. Als ich das erstmals sah, wusste ich, der ich an sich ganz gut mit der deutschen Sprache zurecht komme, nicht so ganz genau, was damit wohl gemeint sein könnte. Zu meiner Üerraschung musste ich dann feststellen, dass dieses Wort sogar im Duden zu finden ist und jede Art von hohlem bzw. ausgehöhltem Gegenstand bezeichnet. Heißt das jetzt, dass in Klosterneuburg Glasflaschen, Plastikflaschen, Aludosen, Plastiksackerl, Leuchtstoffröhren, etc. gemeinsam der Entsorgung zuzuführen sind? Wohl kaum… also warum schreibt man nicht gleich Plastikbehälter auf die entsprechenden Tonnen? Wahrscheinlich aus dem selben Grund warum man Fahrtreppe schreibt und Rolltreppe meint, oder man beim Billa nur Tragetaschen und keine Sackerl kaufen kann. Es liegt hier der fehlgeleitete und auch fehlerhafte Versuch vor, etwas “richtiger” zu benennen.

Geht es um technische Beschreibungen oder Gesetzestexte, oder versucht man aus welchem Grund auch immer besonders exakt zu sein, dann ist ja einzusehen, dass man von Personenkraftwagen, Schutzkontaktsteckdosen oder Waschvollautomaten schreibt. Im täglichen Leben genügt und wird auch im allgemeinen vom Auto, der Steckdose und von der Waschmaschine gesprochen bzw. geschrieben. Aber wo steckt die Logik dahinter, dass auf dem einen Müllbehälter ein Werkstoff draufsteht (Glas, Altmetall), auf dem nächsten aber der Eigenname des Abfallbehälters (Windeltonne) und auf dem dritten eine rein morphologische Beschreibung von irgendwelchen Gegenständen (Hohlkörper)? Eben… es handelt sich um Gegenstände des täglichen Gebrauchs und die müssen nicht exakt benannt werden, sondern sollten so bezeichnet sein, dass man ohne lang nachzudenken gleich dahinterkommt, was man damit zu machen hat. Jeder weiß, dass man dort wo Altmetall draufsteht kein ganzes Fahrrad hineinwerfen darf und zum Weißglas keine Fensterscheibe. In den Behälter mit der Aufschrift Windeltonne wird wohl auch keiner auf die Idee kommen, weitere Windeltonnen hineinzuwerfen. Es handelt sich hier um seit langer Zeit übliche Bezeichnungen. Nach welchem Maßstab wurde also die Bezeichnung Hohlkörper eingeführt? Es ist weder eine exakte noch eine allgemeinverständliche Beschreibung des erwünschten Inhaltes und daher unbrauchbar.

Lieber zuständiger Mensch! Bitte schreib doch Plastikbehälter oder meinetwegen Kunststoff außen drauf.

Dansette