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Das Ende der Mariazellerbahn

Wie bereits an anderer Stelle erwähnt, arbeitet die Niederösterreichische Landesregierung hart auf eine nebenbahnfreie Zukunft des Landes hin. Wie sich jetzt herausstellt, ist auch der Großteil der Mariazellerbahn akut gefährdet.

Die NÖVOG, die beauftragt wurde in Zukunft den Betrieb auf der Mariazellerbahn zu führen, hat eine Bestellung für neue elektrische Fahrzeuge für diese Strecke ausgeschrieben. Allerdings sollen nur sechs Garnituren angeschafft werden, was natürlich den Verdacht erhärtet, dass der Regelbetrieb überhaupt nur mehr im Abschnitt St. Pölten – Kirchberg an der Pielach (rund 31 der ehemals 91km) aufrecht bleiben soll. Bis diese Fahrzeuge geliefert werden (wahrscheinlich 2013) soll der Betrieb ausschließlich mit Dieselfahrzeugen geführt werden, die durch die Einstellung des Betriebes am nicht elektrifizierten Flügel Obergrafendorf – Mank frei werden. Allerdings ist nicht klar, ob ab Dezember überhaupt ein Betrieb möglich sein wird, denn die NÖVOG hat noch keine Zulassung als Eisenbahnverkehrsunternehmen.

Der Güterverkehr der Mariazellerbahn wurde 1906 und der Personenverkehr 1907 in Betrieb genommen. Der Andrang zum damaligen Nationalheiligtum Österreich-Ungarns aus allen Ecken der Monarchie war derartig groß, dass sich schon bald herausstellte, dass die Leistungsfähigkeit des Dampfbetriebes nicht ausreichte um den Verkehr zu bewältigen. Daher entschloss man sich zu einer Elektrifizierung der Strecke und entschied sich dabei für einphasigen Wechselstrom. Das ist bemerkenswert, weil damals noch keine Fernbahn der Welt mit diesem heute weltweit üblichen System betrieben wurde. Bereits 1911 begann der elektrische Betrieb. Die dafür gebauten Lokomotiven der heutigen Reihe 1099 sind noch jetzt in Betrieb und somit die ältesten elektrischen Eisenbahntriebfahrzeuge der Welt, die noch im Planverkehr verwendet werden. 1099.009 im Bahnhof MariazellDa es zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts noch keine Vorbilder für derartige Lokomotiven gab, mussten sie komplett neu konzipiert werden. Auch hier wurde vorweggenommen, was ab den späten 60er Jahren normal wurde, nämlich die Bauweise der Triebfahrzeuge mit zwei Drehgestellen. Heute werden Lokomotive ausschließlich nach diesem Konzept gebaut. Mit 12. Dezember 2010 wird die Ära dieser extrem robusten und zum Zeitpunkt der Konstruktion hoch innovativen  Fahrzeuge mit großer Wahrscheinlichkeit beendet sein.

Vor einigen Jahren wurde bereits gegen den Widerstand der Frachtkunden der Abschnitt zwischen Mariazell und Gußwerk, der nur für den Güterverkehr interessant war, abgetragen, nachdem sich die ÖBB dazu entschlossen hatten, auf Schmalspurbahnen keinen Güterverkehr mehr zu führen.

Entscheidet sich die Steiermärkische Landesregierung nicht dazu einen Beitrag zu einem etwaigen Museums- oder Touristenverkehr auf den übrigen noch verbliebenen 53km der Mariazellerbahn zwischen Kirchberg an der Pielach und Mariazell zu leisten, dann ist das Ende dieses Österreichischen Kulturdenkmals bereits 2010 nach 104 Jahren besiegelt.

Onkel Erwins Verkehrspolitik

Die Österreichische Verkehrsministerin Doris Bures hat vor Kurzem auf die Frage was Österreich zum Thema Energiesparen zu unternehmen gedenke, geantwortet, dass man Verkehr von der Straße auf die Schiene verlagern wolle. Es würde eine Menge in den Ausbau der Schieneninfrastruktur investiert. Letztere Aussage mag ja prinzipiell stimmen. Aber leider sind die Projekte, in die investiert wird, nur wenig geeignet um einerseits Güter und andererseits Personen auf die Bahn zu bringen. Es zählt nicht der Verkehrswert sondern die Befriedigung der Wünsche der Bauwirtschaft oder wie erklärt sich sonst die geplante Umstellung der Süd- und Nordbahn auf Rechtsverkehr. Außerdem werden in manchen Gegenden Strukturen systematisch zerstört um den Versuch der Verkehrsverlagerung auf die Schiene unmöglich zu machen.

Der Niederösterreichische Landeshauptmann Erwin Pröll hat Anfang dieses Jahres eine Anzahl an Nebenbahnabschnitten in die Landesverwaltung übernommen um – wie er propagandistisch von sich gab – sie vor den ÖBB zu retten. Im April wurde dann folgerichtig die Ybbstalbahn bis auf ein kleines Stück im Gemeindegebiet von Waidhofen an der Ybbs eingestellt. In Gstadt hat die direkt an der Bahn ansässige Firma Bene vor einiger Zeit ein Grundstück jenseits des Gleiskörpers angekauft um den Betrieb zu vergrößern. Die Eisenbahn musste weg weil weder die Gemeinde noch das Land und mit Recht schon gar nicht die ÖBB eine Verlegung um das Firmengelände herum finanzieren wollten. Das 6km lange Rumpfstück in Waidhofen bleibt bestehen weil sich im Verlauf dieser Strecke ein denkmalgeschütztes Viadukt befindet, dessen Erhaltung wiederum die ÖVP-regierte Gemeinde nicht finanzieren will. Bei weiterer Verwendung als Verkehrsbauwerk muss der Betreiber zahlen. Der Gleiskörper des größten Teils der Ybbstalbahn, also der der Strecke von Gstadt bis Lunz am See, wird abgetragen und in einen Radweg umgestaltet. Der Automatismus nach dem Entfernen einer Bahnstrecke gleich einen Radweg zu versprechen, dürfte aber dem Herrn Pröll einiges an Kopfzerbrechen bescheren. Die Ybbstalbahn ist eine eingleisige Schmalspurbahn mit einer Spurweite von 760mm. Das heißt, dass das Planum also sozusagen der Unterbau teilweise unter einem Meter breit ist. Für einen in beide Richtungen befahrbaren Radweg benötigt man aber mindestens zwei Meter. Da also wahrscheinlich sogar Grund angekauft werden muss, wäre mit großer Wahrscheinlichkeit eine Sanierung bzw. Modernisierung der bestehenden Bahnstrecke billiger gewesen. Anscheinend kann man auch auf den Tourismus verzichten, den man bei einer Wiedereröffnung der Bergstrecke nach Gaming anziehen hätte können, denn außer dem SPÖ-Bürgermeister von Hollenstein haben alle Gemeindevorstände der Vernichtung der Bahn zugestimmt.

Mit Fahrplanwechsel im Dezember 2010 wird der Personenverkehr des Restes der Thayatalbahn zwischen Zwettl und Waidhofen an der Thaya eingestellt. Die Bahnstrecke von Schwarzenau bis zur Grenze nächst Fratres wird auch gleich abgetragen und in einen Radweg umgebaut, obwohl auf der Homepage der NÖVOG noch bis vor drei Wochen vom Lückenschluss zwischen Fratres und Slavonice (Zlabings) die Rede ist. Die tschechische Republik ist derzeit dabei Ihren Teil dieser Bahnstrecke zu sanieren. Pröll hat verkündet, dass man sich mit dem Radweg die Trasse für eine zukünftige Wiederrichtung freihalten will.

Der Erhalt der Mariazellerbahn ist noch nicht geklärt. Da aber das letzte Stück der Strecke in der Steiermark liegt und die Steiermärkische Landesregierung kein Interesse an einem entsprechenden Finanzierungsbeitrag zeigt, wird allgemein angenommen, dass nur der im Pielachtal gelegene Abschnitt für den Regelbetrieb erhalten bleibt. Der Bergabschnitt zwischen Laubenbachmühle und Mariazell wird dann nur mehr im Museumsbetrieb befahren.

Auf all den anderen Bahnstrecken, die Kaiser Erwin gerettet hat, mit Ausnahme der schon vor Jahren de facto privatisierten Schneebergzahnradbahn, wird zukünftig bestenfalls Museums- oder Fahrraddraisinenverkehr angeboten. Die Information, was er da besser macht als die ÖBB, ist er uns noch schuldig. Freilich werden ja gerade zahlreiche neue leistungsfähige Straßenverbindungen namentlich ins Waldviertel gebaut, die selbstverständlich dann mit Bussen befahren werden… alle zwei Stunden… zwischen 6 und 18 Uhr… Montag bis Freitag… außer an Feiertagen. Am Wochenende ist das sowieso strukturschwache Waldviertel abseits der Franz Josefs-Bahn ohne Auto nicht mehr erreichbar. Dasselbe gilt natürlich auch für die Teile Niederösterreichs, die nicht an einer Bahnstrecke liegen und/oder die regionalen Körperschaften sich nicht selbst den Verkehr finanzieren. Der Nahverkehrsbeitrag an die ÖBB wird natürlich auch reduziert, was zur Folge hat, dass der Bahnverkehr im Triestingtal (die Strecke wurde erst vor wenigen Jahren modernisiert), zwischen Wiener Neustadt und Puchberg am Schneeberg (Zulaufstrecke zur Schneebergzahnradbahn) und auf der inneren Aspangbahn wahrscheinlich bald nicht mehr existieren wird.

Aber selbst entlang der Hauptstrecken ist eine Versorgung mit brauchbarem Nahverkehr nicht mehr sicher. Die Westbahn wird ja “nahverkehrsgerecht” viergleisig ausgebaut. Das hat zur Folge, dass z. B. die Haltestellen Schildberg, Neumarkt an der Ybbs-Karlsbach und Hubertendorf aufgelassen wurden oder demnächst werden (die beiden ersten liegen mitten in einer Siedlung). Und das ist erst der Anfang. Im vergangenen Jahr wurde diskutiert, die Bedienung der im Nahbereich Wiens an der Westbahn liegenden Orte Rekawinkel, Eichgraben und Unteroberndorf auf Bus umzustellen.

Natürlich könnte man argumentieren, dass ein Bus billiger in Anschaffung und Erhaltung ist, dass man damit näher ans Ortszentrum kommt und dass er mögliche Verkehrsbehinderungen umfahren kann, er also in dünn besiedelten Gegenden die bessere Alternative ist und deshalb unsere Politiker von Bahn auf Bus umstellen wollen. Billiger mag der Bus sein, aber Onkel Erwins neue Buslinien führen in kaum ein Ortszentrum sondern bleiben schön auf den oben zitierten Bundesstraßen und haben dort auch nur genau eine Haltestelle pro Ort (in Ottenstein habe ich kürzlich 20 Minuten nach der einen vorhandenen Busstation gesucht, die natürlich weitab jeder touristischen Einrichtung liegt). Nachdem diese Straßen die Orte umfahren, ist der Fußweg zur Busstation im allgemeinen länger als oder gleich lang wie bisher zur Bahnstation. Ein Teil der Linien, die in Horn enden, enden nicht vielleicht am Bahnhof sondern am Hauptplatz ca. 15 Minuten von der Bahn entfernt. Brauchbare Anschlüsse zum Zug gibts nicht. Überlandbusse fahren ausnahmslos mit fossilen Brennstoffen, erreichen einen Wirkungsgrad von im besten Fall 40% und müssen verkehrsabhängig oft die Geschwindigkeit ändern, sind also Energieverschwender. Im Bus kann man wegen der Erschütterungen schlecht lesen, an einem Notebook arbeiten ist ganz unmöglich weils eben wackelt wie nur und weil schlicht kein Platz dafür ist. Im Bus gibts kein Klo und kaum Platz für Gepäck. Überlandbusse sind nicht barrierefrei zu gestalten und die Fahrkarten sind hierzulande teurer als Bahnkarten für dieselbe Strecke. Ergo vergeht erfahrungsgemäß zuerst den Gelegenheitsreisenden und bald danach den Pendlern die Lust auf Benützung des öffentlichen Verkehr, was zu Verlängerung des Intervalls führt. Damit werden dann bis auf die Schüler alle anderen Reisenden vertrieben und man kann den Verkehr auf ein für die Schüler unbedingt notwendiges Maß reduzieren und ihn aus dem für Familien gedachten Budgettopf finanzieren. Man kann also die fehlende Nachfrage als Ausrede für die de facto Einstellung des öffentlichen Verkehrs benützen, die man sowieso anstrebt.

Natürlich ist das nicht ein Spezifikum Niederösterreichs, aber dort betreibt man es besonders verlogen. Wollte man wirklich einen guten öffentlichen Verkehr, wie Onkel Erwin ja nicht müde wird zu behaupten, dann hätte man nur einen ordentlichen und ausreichend dotierten Verkehrsdienstevertrag mit den Verkehrsunternehmen allen voran die ÖBB abschließen müssen, wie es z. B. im Burgenland geschehen ist. Aber politisch ist es viel günstiger den “roten Bundesbahnen” zu wenig Geld zu geben, sie dann zu beschimpfen, unmittelbar vor der Wahl sich als Retter aufzuspielen und dann nach der Wahl zuzusperren. Mitte der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts wurde die Mineralölsteuer erhöht und diese Mittel den Ländern für die Finanzierung des öffentlichen Nahverkehr gegeben. Erwin Pröll hat damit Güterwege asphaltiert. Das kann man primär im Waldviertel heute wunderbar besichtigen. Es gibt kaum mehr einen Feldweg, der nicht asphaltiert ist.

Der Herr Landeshauptmann will nach den Bahnstrecken jetzt auch das Bildungswesen seines Landes retten…

Danke, liebe ÖBB

Danke, liebe ÖBB, für das Gutscheinheft, das ich wie jedes Jahr als treuer Stammkunde und Vielfahrer von Euch erhalten habe. Es ist zwar gleich dick wie immer, der Inhalt ist aber so wie jedes Jahr auch heuer wieder ein bisschen weniger wert geworden. Nicht nur, weil sich die Größe des Bahnnetzes und die Anzahl der Züge wieder reduziert haben, sondern weil heuer endgültig der letzte für mich brauchbare Gutschein aus diesem Heft verschwunden ist. Es ist ja in Wirklichkeit eh nicht nötig, dass ich wie 2008 zweimal und 2009 einmal auf die erste Klasse upgraden kann, wenn der Zug brechend voll ist. Es wurde ja Zeit, dass ich mich darauf besinne, welcher Klasse ich angehöre. Außerdem bin ich schließlich selbst schuld, dass ich kein Auto besitze, das ich mit dem entsprechenden Gutschein um immerhin 10 Euro billiger verfrachten könnte. Außerdem wäre es sowieso längst an der Zeit, dass ich den Führerschein mache um dann mit einem Mietwagen eines Eurer Geschäftspartner ermäßigt durch die Gegend zu fahren, anstatt immer öffentliche Verkehrsmittel zu benützen.

Danke, liebe ÖBB, für den 5 Euro Bargutschein, den ihr heuer dem Gutscheinheft beigelegt habt und den nur ich persönlich und nur am Schalter verwenden kann. Dass ich von Euch 10% Strafgebühr verrechnet bekomme, wenn ich meinen Fahrschein – tschuldigung mein Ticket – an der Personenkassa kaufe, macht nichts. Die kann ich ja jetzt bei meiner nächsten Fahrt nach Innsbruck mit dem Gutschein ausgleichen, indem ich ausnahmsweise die Fahrkarte nicht beim Automaten erstehe. Leider fällt mir nämlich sonst nichts ein, was ich am Schalter erledigen sollte. Reservieren werde ich meinen Sitzplatz nicht mehr, denn beim vorletzten Mal besaß ich zwar eine Reservierung für einen Fensterplatz im Großraumwagen, fand mich aber dann wegen einer falschen Wagenreihung auf dem Gangplatz in einem Sechserabteil wieder. Auf einem Platz, den ich auch im vollsten Zug noch finden würde. Beim letzten Mal bekam ich zwar meinen Fensterplatz im Großraumwagen und saß keine fünf Meter von der defekten Stirntür entfernt, die die ganzen fünf Stunden offen stand. Bei 200km/h wird es so laut, dass man aufhört seine eigenen Gedanken zu verstehen. Macht nichts, mir fallen ja bei solchen Gelegenheiten sowieso immer nur Texte wie dieser ein. Vielleicht sollte ich schon deswegen wieder öfter den Schalter frequentieren, um wie im letzten Sommer die Ausbildung Eurer Bediensteten zu verbessern, als ich der netten Schalterdame erklärte, wo dieses Strebersdorf denn ist, und dass ich deshalb nach Budweis über diesen Ort fahren musste, weil während des ganzen Jahres, die Tullner Donaubrücke saniert wurde und Ihr, liebe Bundesbahnen, die Züge umleiten musstet.

Danke, liebe ÖBB, dass Euer Kundenbindungsprogramm jetzt endlich eine ähnliche Qualität entwickelt, wie das meines Handynetzbetreibers. Das Niveau Eures Personals ist ja auch schon vergleichbar. Soll noch jemand behaupten, dass ein Eisenbahnbetrieb nicht so modern sein kann, wie ein Telekommunikationsunternehmen.

Aber, liebe ÖBB, schickt mir nächstes Jahr kein Gutscheinheft mehr. Ihr braucht das nicht. Ihr werdet auch in den nächsten Jahren dank der Weisheit unserer Landespolitiker das Monopol im regionalen und überregionalen Personenverkehr in Österreich behalten. So können sie weiter die Zuschüsse für den öffentlichen Verkehr reduzieren, und es Euch und Eure Kunden ausbaden lassen.

“Waren Sie schon auf dem Jakobsweg?” – Von Menschen in Schachteln

Teil der Gersthofer Fußwallfahrer auf dem Weg nach MariazellIch wallfahre. Seit 27 Jahren gehe ich einmal im Jahr mit einer Gruppe meiner Heimatpfarre zu fuß von Wien nach Mariazell. Obwohl die Teilnehmer in den Jahren teilweise gewechselt haben und wir auch den Weg immer wieder modifiziert haben, ist es im Prinzip noch immer dieselbe Gruppe, die sich da immer zur selben Zeit auf denselben Weg macht. 1983 hat mich mein Vater auf diese Wallfahrt mitgenommen, heute organisiere ich das Ganze mit. Und es macht mir nach wie vor Freude. Beinahe jedesmal, wenn jemand hinter diese Tatsache kommt, stellt mir derjenige die Frage, ob ich schon einmal nach Santiago de Compostella gegangen bin, oder ob ich vorhätte das zu tun. Warum sollte ich? Ganze Heerscharen von Pilgern wandern teilweise durch nordspanische Industriegebiete… nicht sehr attraktiv.

Ich trinke Tee. Bin ich im Dienst, dann trinke ich am Nachmittag so ca. ab 14 Uhr so ca. einen Liter grünen Tee. Dieser Tee hält mich wach, schmeckt gut und fühlt sich im Magen sehr angenehm an. Ich kaufe immer einen im normalen Lebensmittelhandel erhältlichen unaromatisierten in Teebeutel abgepackten Tee immer derselben Marke, weil ich mich an dieses Produkt gewöhnt habe und mir das Hantieren mit Teeei oder ähnlichen Vorrichtungen, die dann auch noch abgewaschen werden müssen, zu mühsam ist. In regelmäßigen Abständen bekomme ich irgendwelche Spezialtees geschenkt und werde in langweilige Gespräche über die antioxidative Wirkung des grünen oder weißen Tees verwickelt.

Ich beschäftige mich mit der Eisenbahn. Ich lese gern aktuelle Eisenbahnliteratur, ich fahre gern mit der Bahn und ich verbringe beinahe jeden freien Tag in der warmen Jahreszeit bei Schönwetter an der Bahn, um selbige zu fotografieren. Ich kann nicht einmal genau erklären, warum ich die Eisenbahn mag. Es ist einfach mein Hobby. Aber ich bin kein Fan von Dampflokomotiven, alten Diesel- oder E-Loks, von Schienenbussen, etc. Ich nehme in Kauf, dass ich genannte Fahrzeuge brauche, um Strecken befahren zu können, auf denen es heute keinen planmäßiger Personenverkehr mehr gibt, beteilige mich aber dabei nicht an den Fotoorgien, die bei jedem Aufenthalt stattfinden. Und es ist ein echter Graus, 50 Personen zu beobachten, wie sie sich auf Befehl in der Landschaft aufreihen und alle dasselbe Foto machen. Dennoch besitze ich geschenkter Weise die ganze Palette schlechter Eisenbahnliteratur, bei der ein Buch dem anderen durch die immer gleichen Fotos monströser amerikanischer Dampflokomotiven gleicht und werde ständig über irgendwelche Dampfloksichtungen informiert.

Warum muss jemand, der nach Mariazell geht, auch planen zum heiligen Jakob zu gehen? Warum muss jemand, der regelmäßig Tee trinkt, das entweder aus wohldurchdachtem medizinischen Grund tun, oder ein Teefanatiker sein. Warum muss jeder, der die Eisenbahn mag, jeder Dampflok nachjagen? Warum muss sich jemand, der Norwegen regelmäßig bereist, auch mit Schweden und Finnland auseinandersetzen?

Leute neigen dazu, andere in Schachteln zu packen. Gibts keine vorgefertigte Schachtel, dann kommt man halt in die am ehesten passende. Aber beweist das nicht einen Mangel an Interesse bei gleichzeitiger Vorspiegelung desselben? Mir scheint, dass diese Einschachtelei nur daher kommt, dass man gar nicht näher über das Gegenüber nachdenken, sich nicht mit der anderen Person auseinandersetzen will, aber trotzdem den Drang verspürt, Interesse zu heucheln. Ich halte das für ziemlich entbehrlich. Sollen sie doch über ein Thema mit mir reden, das sie selbst interessiert. Ich käme nie auf die Idee jemanden auf ein für mich völlig uninteressantes Thema anzusprechen, nur weil ich glaube ihm damit eine Freude zu machen. Er entlarvt mich doch sowieso innerhalb von Sekunden. Wenn sich jemand wirklich für mich interessiert, dann wird er ein Thema kennen, das uns beide interessiert oder er wird mir soweit zuhören, dass er eben dann nicht fragen wird: „Waren Sie schon auf dem Jakobsweg?“.

Dansette