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Kategorie: Allgemeines

Lernen Sie Geographie!

Ich war in der Schule immer ein Totalversager in der Geographie. Seither hab ich allerdings gelernt, dass eine ganze Reihe von Wissenschaften (Geschichte, Politik, Wirtschaft, etc.) nicht funktionieren, bzw. nicht verstanden werden können, ohne fundiertes Geographiewissen und ohne die möglichst genau Anwendung desselben. Das beinhaltet aber auch die möglichst konventionelle Anwendung der geographischen Bezeichnungen.

Also liebe Journalisten unter anderem und vor allem des ORF: Österreich liegt in Mitteleuropa. Die Lage Mitteleuropas ist zwar nicht exakt definiert, aber in jeder dahingehenden Theorie ist Österreich ein Bestandteil davon. Demnach ist aber auch keine österreichische Stadt westeuropäisch. Also wenn die gerne zitierten osteuropäischen Diebesbanden in westeuropäischen Städten Wohnungen ausrauben, muss das einem Wiener, einem Linzer oder gar einem Dornbirner kein Kopfzerbrechen machen. Oder vielleicht doch, weil eben diese Städte gemeint sind, man aber noch nicht begriffen hat, dass mittel auch was anderes ist als ost und nicht nur west.

Der Nordpol ist ein gedachter Punkt am nördlichen Ende der Erdachse. Ein Punkt in geometrischem Sinn. Demnach beinhaltet der Nordpol aber auch keine Fläche. Ein Eisbär hat ein Volumen also eine Raumausdehnung und belegt daher auch eine gewisse Fläche. Er kann also nicht auf dem Nordpol leben. Ebensowenig tun das Inuit oder das Volk der Samen*. Dort oben im Norden wo es kalt ist, ist die Arktis. Also bitte hört auf unseren Kindern immer wieder zu erzählen, dass Eisbären am Nordpol leben und Pinguine am Südpol. Ganz abgesehen von der Falschverwendung dieser Begriffe, findet man in der unmittelbaren Umgebung der Pole sowieso keine Tiere, weil dort das Futterangebot eher schwach ist.

Skandinavien besteht aus Norwegen, Dänemark und Schweden. Finnland ist nicht Teil Skandinaviens. Finnland gehört zwar wie die erstgenannten Länder auch zu Nordeuropa, aber es kommt wohl auch niemand auf die Idee, dass Island, Färöer oder gar Grönland zu Skandinavien gehören. Finnland ist ein Nachbar Norwegens, aber das ist Russland auch. Mittlerweile hat aber selbst die ORF-Sportredaktion kapiert, dass die korrekte Übersetzung des Nordic Tournaments (zwei Schisprungbewerbe in Finnland, zwei in Norwegen) nicht Skandinavientournee lauten kann.

Englischsprechende meinen etwas anderes als Deutschsprachige, wenn sie von Middle East sprechen. Wenn Israel oder die arabischen Länder Asiens oder mitunter auch der Iran und der asiatische Teil der Türkei gemeint sind, dann spricht man im Deutschen vom Nahen Osten. Wenn ein Journalist von einem Konflikt im mittleren Osten berichtet, dann sollte er mögliche Auseinandersetzungen z. B. in Birma (und nein, auf Deutsch heißt das heutige Myanmar Birma und nicht Burma) oder Indien meinen. Nur leider handelt es sich zumeist um eine Falschübersetzung aus dem Englischen. Besondere Spezialisten in der Verwendung des Begriffes Mittlerer Osten für den Nahen Osten sind allerdings Synchronsprecher, bzw. diejenigen, die deren Texte schreiben.

* Apropos Samen: Während die Begriffe Eskimo und Zigeuner keine Schimpfwörter sind, werden die Bewohner Grönlands und des arktischen Amerika (letztere zumeist falsch) als Inuit bezeichnet. Die sich selbst zu weit über 90% als Zigeuner Bezeichnenden werden immer Roma und Sinti genannt. Aber warum hält sich so penetrant das zumeist als Beschimpfung verstandene Wort Lappen für die im nördlichen Skandinavien, Finnland und Russland lebenden Samen?

“Waren Sie schon auf dem Jakobsweg?” – Von Menschen in Schachteln

Teil der Gersthofer Fußwallfahrer auf dem Weg nach MariazellIch wallfahre. Seit 27 Jahren gehe ich einmal im Jahr mit einer Gruppe meiner Heimatpfarre zu fuß von Wien nach Mariazell. Obwohl die Teilnehmer in den Jahren teilweise gewechselt haben und wir auch den Weg immer wieder modifiziert haben, ist es im Prinzip noch immer dieselbe Gruppe, die sich da immer zur selben Zeit auf denselben Weg macht. 1983 hat mich mein Vater auf diese Wallfahrt mitgenommen, heute organisiere ich das Ganze mit. Und es macht mir nach wie vor Freude. Beinahe jedesmal, wenn jemand hinter diese Tatsache kommt, stellt mir derjenige die Frage, ob ich schon einmal nach Santiago de Compostella gegangen bin, oder ob ich vorhätte das zu tun. Warum sollte ich? Ganze Heerscharen von Pilgern wandern teilweise durch nordspanische Industriegebiete… nicht sehr attraktiv.

Ich trinke Tee. Bin ich im Dienst, dann trinke ich am Nachmittag so ca. ab 14 Uhr so ca. einen Liter grünen Tee. Dieser Tee hält mich wach, schmeckt gut und fühlt sich im Magen sehr angenehm an. Ich kaufe immer einen im normalen Lebensmittelhandel erhältlichen unaromatisierten in Teebeutel abgepackten Tee immer derselben Marke, weil ich mich an dieses Produkt gewöhnt habe und mir das Hantieren mit Teeei oder ähnlichen Vorrichtungen, die dann auch noch abgewaschen werden müssen, zu mühsam ist. In regelmäßigen Abständen bekomme ich irgendwelche Spezialtees geschenkt und werde in langweilige Gespräche über die antioxidative Wirkung des grünen oder weißen Tees verwickelt.

Ich beschäftige mich mit der Eisenbahn. Ich lese gern aktuelle Eisenbahnliteratur, ich fahre gern mit der Bahn und ich verbringe beinahe jeden freien Tag in der warmen Jahreszeit bei Schönwetter an der Bahn, um selbige zu fotografieren. Ich kann nicht einmal genau erklären, warum ich die Eisenbahn mag. Es ist einfach mein Hobby. Aber ich bin kein Fan von Dampflokomotiven, alten Diesel- oder E-Loks, von Schienenbussen, etc. Ich nehme in Kauf, dass ich genannte Fahrzeuge brauche, um Strecken befahren zu können, auf denen es heute keinen planmäßiger Personenverkehr mehr gibt, beteilige mich aber dabei nicht an den Fotoorgien, die bei jedem Aufenthalt stattfinden. Und es ist ein echter Graus, 50 Personen zu beobachten, wie sie sich auf Befehl in der Landschaft aufreihen und alle dasselbe Foto machen. Dennoch besitze ich geschenkter Weise die ganze Palette schlechter Eisenbahnliteratur, bei der ein Buch dem anderen durch die immer gleichen Fotos monströser amerikanischer Dampflokomotiven gleicht und werde ständig über irgendwelche Dampfloksichtungen informiert.

Warum muss jemand, der nach Mariazell geht, auch planen zum heiligen Jakob zu gehen? Warum muss jemand, der regelmäßig Tee trinkt, das entweder aus wohldurchdachtem medizinischen Grund tun, oder ein Teefanatiker sein. Warum muss jeder, der die Eisenbahn mag, jeder Dampflok nachjagen? Warum muss sich jemand, der Norwegen regelmäßig bereist, auch mit Schweden und Finnland auseinandersetzen?

Leute neigen dazu, andere in Schachteln zu packen. Gibts keine vorgefertigte Schachtel, dann kommt man halt in die am ehesten passende. Aber beweist das nicht einen Mangel an Interesse bei gleichzeitiger Vorspiegelung desselben? Mir scheint, dass diese Einschachtelei nur daher kommt, dass man gar nicht näher über das Gegenüber nachdenken, sich nicht mit der anderen Person auseinandersetzen will, aber trotzdem den Drang verspürt, Interesse zu heucheln. Ich halte das für ziemlich entbehrlich. Sollen sie doch über ein Thema mit mir reden, das sie selbst interessiert. Ich käme nie auf die Idee jemanden auf ein für mich völlig uninteressantes Thema anzusprechen, nur weil ich glaube ihm damit eine Freude zu machen. Er entlarvt mich doch sowieso innerhalb von Sekunden. Wenn sich jemand wirklich für mich interessiert, dann wird er ein Thema kennen, das uns beide interessiert oder er wird mir soweit zuhören, dass er eben dann nicht fragen wird: „Waren Sie schon auf dem Jakobsweg?“.

Warum Hohlkörper?

HohlkörperDieses Blog trägt den Namen Hohlköper als Synonym für all die Ungereimtheiten des täglichen Lebens. Exemplarisch hier die Tatsache, dass Dinge nicht so bezeichnet werden, wie sie eigentlich heißen und das manchmal aus nicht nachvollziehbaren Gründen.

Eines dieser Beispiele ist, dass in Teilen Niederösterreichs Plastikbehälter zur Entsorgung in den Behälter mit der Aufschrift Hohlkörper zu werfen sind. Als ich das erstmals sah, wusste ich, der ich an sich ganz gut mit der deutschen Sprache zurecht komme, nicht so ganz genau, was damit wohl gemeint sein könnte. Zu meiner Üerraschung musste ich dann feststellen, dass dieses Wort sogar im Duden zu finden ist und jede Art von hohlem bzw. ausgehöhltem Gegenstand bezeichnet. Heißt das jetzt, dass in Klosterneuburg Glasflaschen, Plastikflaschen, Aludosen, Plastiksackerl, Leuchtstoffröhren, etc. gemeinsam der Entsorgung zuzuführen sind? Wohl kaum… also warum schreibt man nicht gleich Plastikbehälter auf die entsprechenden Tonnen? Wahrscheinlich aus dem selben Grund warum man Fahrtreppe schreibt und Rolltreppe meint, oder man beim Billa nur Tragetaschen und keine Sackerl kaufen kann. Es liegt hier der fehlgeleitete und auch fehlerhafte Versuch vor, etwas “richtiger” zu benennen.

Geht es um technische Beschreibungen oder Gesetzestexte, oder versucht man aus welchem Grund auch immer besonders exakt zu sein, dann ist ja einzusehen, dass man von Personenkraftwagen, Schutzkontaktsteckdosen oder Waschvollautomaten schreibt. Im täglichen Leben genügt und wird auch im allgemeinen vom Auto, der Steckdose und von der Waschmaschine gesprochen bzw. geschrieben. Aber wo steckt die Logik dahinter, dass auf dem einen Müllbehälter ein Werkstoff draufsteht (Glas, Altmetall), auf dem nächsten aber der Eigenname des Abfallbehälters (Windeltonne) und auf dem dritten eine rein morphologische Beschreibung von irgendwelchen Gegenständen (Hohlkörper)? Eben… es handelt sich um Gegenstände des täglichen Gebrauchs und die müssen nicht exakt benannt werden, sondern sollten so bezeichnet sein, dass man ohne lang nachzudenken gleich dahinterkommt, was man damit zu machen hat. Jeder weiß, dass man dort wo Altmetall draufsteht kein ganzes Fahrrad hineinwerfen darf und zum Weißglas keine Fensterscheibe. In den Behälter mit der Aufschrift Windeltonne wird wohl auch keiner auf die Idee kommen, weitere Windeltonnen hineinzuwerfen. Es handelt sich hier um seit langer Zeit übliche Bezeichnungen. Nach welchem Maßstab wurde also die Bezeichnung Hohlkörper eingeführt? Es ist weder eine exakte noch eine allgemeinverständliche Beschreibung des erwünschten Inhaltes und daher unbrauchbar.

Lieber zuständiger Mensch! Bitte schreib doch Plastikbehälter oder meinetwegen Kunststoff außen drauf.

Dansette