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Kategorie: Allgemeines

Sollen wir unsere Kultur schützen?

Wie auch beim letzten Wahlkampf werden von Politikern primär der rechten Reichshälfte ganz gern Ängste bezüglich des Verlustes unserer Kultur aufgrund der Zuwanderung geschürt. Von Islamisierung und Entfremdung ist da die Rede. Wir müssen unsere Kultur schützen, indem wir die Grenzen dicht machen. Klingt ja auch nicht ganz unvernünftig. Man muss nicht als konservativ qualifiziert werden, wenn man Gewohntes und Liebgewonnenes schützen will.

Aber von welcher Kultur ist da die Rede?

Ich hab mich hingesetzt und versucht meine Kultur zu beschreiben. Zuerst stand bzw. saß ich vor dem Problem, dass mir die Definition des Wortes Kultur gar nicht geläufig ist. Laut Duden ist Kultur die “Gesamtheit der geistigen und künstlerischen Lebensäußerungen einer Gemeinschaft, eines Volkes”. Also eh alles, was ein Volk, eine Gemeinschaft ausmacht.

Was ist dann unsere Kultur? Kann ich sie überhaupt beschützen? Steckt nicht bereits in der Definition des Wortes schon die ständige Änderung und Entwicklung drinnen?

In Deutschland wurden vor kurzem Mitglieder der geistigen bzw. wirtschaftlichen Elite nach der Deutschen (“Deutschländischen”) Kultur befragt. Schnell waren da Begriffe wie Fleiß, Pünktlichkeit, Verlässlichkeit, Genauigkeit gefunden. Die Frage, ob sich der/die jeweils Befragte in den selbst genannten Begriffen wiederfand, verneinten die meisten.

Gut, also begann ich mit der Suche nach meiner Kultur, bin dabei zwangsläufig auf meine Kindheit und Jugend gestoßen und werde hier in aller Kürze und vor allem wertfrei aber einseitig und verallgemeinernd ohne Anspruch auf Vollständigkeit aufzählen, wie wir noch vor weniger als 25 bis 35 Jahren hier in Wien, bzw. genauer im Westen Wiens gelebt haben, was also unsere Kultur war.

Mein Vater war Handwerker und stolz darauf einen Posten bei der Gemeinde Wien bekommen zu haben. Er war zwar schlecht bezahlt, brachte aber eine Dienstwohnung und Jobsicherheit mit sich. Überhaupt war ein Posten im öffentlichen Dienst, bei Post und Bahn oder der staatlichen Industrie sehr gefragt und die Bediensteten besser angesehen. Auch wurde man von seinem Dienstgeber noch nicht als faul beschimpft. Meine Mutter war zuhause und hat sich um uns Kinder und den Haushalt gekümmert, was absolut normal war. Ein Mann wurde dafür bezahlt oder betrat die Küche einfach nicht. Meine Mutter betätigte sich später auch als Heimarbeiterin. Wir konnten uns ein mittelgroßes Auto und jedes Jahr einen mehr als einwöchigen Aufenthalt in Jugoslawien am Meer leisten. Damit hatten wir so manchen unserer Schulkollegen schon einiges voraus. Beinahe jedes Wochenende verbrachten wir bei meinen Großeltern väterlicherseits, wo meine Eltern Karten spielten. Einmal im Monat besuchten wir die Großeltern mütterlicherseits. Meine Eltern ließen sich später scheiden. Zu dieser Zeit erzählte man das noch nicht herum, man kannte auch noch nicht so viele Geschiedene. Für die Ehepartner stellte eine Scheidung eine klare Niederlage dar und wir Kinder wussten sowieso nicht so recht, wie wir damit umgehen sollten. Ich hab das erst Wochen später meinem besten Schulfreund im Zuge eines Kinobesuchs erzählt.

Damals gab es in jedem Wiener Bezirk ein oder mehrere kleine Kinos. Dementsprechend musste man manchmal quer durch die Stadt anreisen, wenn man einen bestimmten Film sehen wollte. Kinocenter gabs keine, Getränkehalter an den Klappsitzen aus Holz auch nicht. Reihen mit mehr Beinfreiheit waren teurer. Die Kinosäle hatten nur in sehr großen Kinos einen ansteigenden Boden. Die vergleichsweise winzige Leinwand mit einem Seitenverhältnis von 2:3 hing hoch oben, damit auch die Besucher in den hinteren Reihen der flachen Kinos etwas sehen konnten. Saßen weniger als fünf Leute im Saal, konnte es passieren, dass die Vorstellung abgesagt wurde. Wir hatten zwei Fernsehsender, von denen nur der erste den ganzen Tag ein Programm lieferte. In der Nacht gab es gar kein Fernsehprogramm. Auf FS-2 wurde das Programm von Mittag bis 17 Uhr unterbrochen. Dann begann dort das Kinderprogramm, das um 18:30 Uhr wieder endete. Damit ergab sich für meine Schwester und mich die logische Tagesgliederung: bis Mittag in der Schule, danach zuhause Mittagessen und ab ins Freie, damit wir rechtzeitig zum Kinderprogramm vor dem Fernsehgerät Platz nehmen konnten.

Political correctness gab es nicht. Behinderte wurden als solche bezeichnet. Geistig oder seelisch Kranke galten als gestört und wurden auch so genannt. Frauen wurden nach heutigen Begriffen in der Arbeit fast permanent sexuell belästigt. Texte wurden grundsätzlich nicht geschlechtsneutral geschrieben. Schwarze Menschen wurden als Neger bezeichnet. Beim Begriff Tschuschen, wie die südländischen Gastarbeiter oft genannt wurden, wussten wir immerhin schon, dass das auch als Beschimpfung ausgelegt werden konnte. Anstatt ihnen Deutsch beizubringen sprachen viele mit ihnen im Akzent dieser Ausländer. Moslemische Kinder wurden als Mohammedaner bezeichnet und fielen nur auf, wenn sie weiblich waren, weil sie dann Kopftücher und Kleider tragen mussten. Allerdings hat auch meine Großmutter das Haus niemals ohne Kopfbedeckung (zumeist ein Kopftuch) verlassen und wäre schon gar nicht barhäuptig in die Kirche gegangen. Wir wussten nicht viel über fremde Glaubensrichtungen. Es war auch nicht wichtig. Wir gingen jeden Sonntag in die Kirche, die auch an normalen Sonntagen gut gefüllt war. Zu Weihnachten und Ostern musste man schon lange vor der Messe in der Kirche sein, wenn man noch einen Platz bekommen wollte. Auch der Unterricht in der Schule begann mit einem Morgengebet. Samstags ab Mittag und am Sonntag waren alle Geschäfte geschlossen. Als an einem Sonntag im Dezember 1975 die OPEC-Terroristen Schnüre und Scheren verlangten, war es selbst für unsere Behörden schwierig genanntes aufzutreiben, weil ja kein Geschäft geöffnet hatte.

Diese Terroristen reisten übrigens mit der Straßenbahn an. Die war innerhalb der Stadt auch für uns das Verkehrsmittel der Wahl. Sie fuhr langsam, war dafür recht laut und sie zu erklettern war für Ältere, Behinderte oder Mütter mit Kinderwagen (Väter mit Kinderwagen gab es nicht) nicht ganz einfach. Behindertenfreundlichkeit oder gar Barrierefreiheit kannte man noch nicht. Wer einem älteren seinen Platz nicht von sich aus anbot, wurde geschimpft. Es gab in Wien kaum Ampeln oder geregelte Kreuzungen. Das erforderte mehr Disziplin im Straßenverkehr, die aber im allgemeinen auch vorhanden war. Dort wo es Ampeln gab, blieb man bei rot in jedem Fall stehen. Gehupt wurde wenn überhaupt nur ganz kurz um zu grüßen oder jemanden auf etwas hinzuweisen. Um andere Verkehrsteilnehmer zu beschimpfen verwendete man die eigene Stimme. Geblinkt wurde lang vor der Kreuzung. Vor unserer Schule gab es eine Politesse. Die trug eine Polizeiuniform, war aber nur dafür zuständig die Autos aufzuhalten, wenn ein Kind die Straße überqueren wollte. Die Verbrecherjagd war wie die Armee eine rein männliche Angelegenheit. Ein Bewusstsein, dass Autoabgase schädlich sind, gab es nicht. Überhaupt war sowas wie Umweltbewusstsein kaum vorhanden. Rauchende Schlote, Autobahnen und die Umstellung von Straßenbahn auf Autobus waren ein Zeichen des Fortschritts. Fliegen war allerdings unerschwinglich. Man legte größere Entfernungen mit dem Auto oder dem Zug zurück. Ab 16 schnallten sich im Sommer die meisten von uns einen monströsen Rucksack um und verschwanden für vier Wochen mit der Bahn ins Ausland. Wenn die Eltern Glück hatten, bekamen sie nach Rückkehr der Kinder irgendwann eine Ansichtskarte. Eine Karte brauchte von Griechenland nach Wien über sechs Wochen.

Wir sprachen Österreichisch. Demnach hatten Zahlwörter kein oder das männliche Geschlecht. Wir trugen Leiberl und die Jeans gab es als Einzahlwort ohne s. Fugen- und Mehrzahl-S waren allgemein nicht sehr beliebt, weil sie stark an die Sprache unserer Lieblingsnachbarn (die Piefke ohne s) erinnerten. Unsere Kinder waren Buben und Mädchen. Es gab keine Location. Künstler traten am jeweiligen Veranstaltungsort auf und performten nicht. Im Gesicht hatten wir Wimmerl, ein Pickel war ein hammerähnliches Werkzeug. In der Börse hatte wir die Marie, aber die Kohle im Keller. Die Polizei wurd als He bezeichnet und bestand aus Kiberern. Bullen gab es nur auf der Weide oder im Stall. Musik nahmen wir auf Bändern oder Kassetten auf und klebten Pflaster auf oder wickelten einen Verband um unsere Wunden. Tapes gabs nur im Englischunterricht. Am heiligen Abend und nicht bereits im November wurden Christ- und nicht Weihnachtsbäume aufgestellt. Das Christkind brachte die Geschenke. Den Weihnachtsmann kannten wir nur aus amerikanischen Filmen bzw. als heiligen Nikolaus, den wir am 6. Dezember feierten. Die Weihnachtmärkte hießen folgerichtig ausschließlich Christkindlmarkt. Halloween war gänzlich unbekannt, dafür wusste ein sehr großer Bevölkerungsanteil was zu Weihnachten bzw. zu Ostern gefeiert wird.

Wir waren mit allen Lehrerinnen und Lehrern per Sie und wurden bestraft, wenn wir respektlos waren. Die Lehrer hatten generell weniger Ahnung von Pädagogik, dafür mehr von ihrem Unterrichtsfach. Zu spät zum Unterricht zu erscheinen war ein schweres Vergehen. Man war allgemein pünktlicher. Es gab ja auch nur sehr eingeschränkte Möglichkeiten jemanden über seine Verspätung zu informieren. Insgesamt legte man mehr Wert auf Höflichkeit. Auf der Straße wurden der Polizist und auch der Briefträger gegrüßt. Im Rundfunk bemühte man sich eine gepflegte Sprache zu sprechen. Straßeninterviews klangen daher oft sehr lustig.

Wir ernährten uns von Fleisch oder Wurst. Es war sogar ein Kennzeichen für einen hohen Status, wenn man viel Fleisch aß. Gemüse wurde verkocht und geschält oder sonst irgendwie seiner Nährstoffe entledigt, bevor es verspeist wurde. Wir tranken Dicksaft und kohlensäurehaltiges Mineralwasser. Leitungswasser wurde nur getrunken, wenn nichts anderes zur Verfügung stand. Zuhause gab es nur Filterkaffee und in Lokalen ausschließlich Espresso in bei Torberg nachlesbaren Versionen. In öffentlichen Verkehrsmitteln wurde kein Kaffee getrunken, dafür hatte aber niemand etwas dagegen einzuwenden, wenn man eine Leberkässemmel in Bus oder Bim zu sich nahm. An jedem Eck stand ein Würstelstand. Ganz selten gabs dort Pizza. Kebab, Döner und wie das alles heißt, kannten wir noch nicht. Zu besonderen Anlässen bekamen auch Kinder alkoholische Getränke, ohne dass sich jemand dabei etwas dachte. Der Staat förderte die Ausgabe von Milchprodukten an Schulkinder. Geraucht wurde überall und immer. Selbst in U-Bahnstationen oder im Flugzeug war es erlaubt zu rauchen und das Kind am Arm kein Hindernis. Das Gesundheitsbewusstsein war weit unterentwickelt. Wir erwarteten vom Arzt, dass er jeden Schaden reparieren konnte und hinterfragten in der Öffentlichkeit nie seine Entscheidungen und Anordnungen. In der Medizin galt alles natürliche als ungesund. Natürliche Geburt, Heiltees, Akupunktur, Homöopathie, etc. war etwas für Kurpfuscher. Man entfernte schon beim geringsten Verdacht die Mandeln. Vitamintabletten wurden Obstverzehr vorgezogen. Schwangere und tatsächlich Erkrankte wurden auf Teufel komm raus mit Chemie eingedeckt.

Letzteres galt in vielen Lebensbereichen. Natürliches oder Althergebrachtes war unmodern. Wir kleideten uns in Plastik und Gummi. Farben mussten nicht zusammenpassen. Unsere Frisuren bestanden primär aus Klebstoff. Unsere Wohnhäuser wurden aus Stahlbeton in schauderhaftem Stil und ohne Isolierschicht mit Fenstern bestehend aus nur einem einfachen Glas errichtet. Unsere Möbel waren aus Tropenholz oder Plastik. Spielplätze wurden betoniert. Fürs Ballspielen wurden Käfige um den Betonplatz errichtet. Die Musik war elektronisch generiert und sollte möglichst unnatürlich klingen.

Politisch waren wir ziemlich ambivalent. Kommunismus war böse, aber gegen Sozialismus hatte man nichts einzuwenden. Amerika galt noch als der große Befreier und man verlor kein böses Wort über die Amerikaner, weil man sie als Schutzmacht gegen die Soviets benötigte. Dass in den USA teilweise noch die Rassentrennung galt und Sozialisten verfolgt wurden, wurde geflissentlich verschwiegen bzw. kritiklos hingenommen. Allerdings waren wir als Kinder über die politischen Vorgänge nicht besonders gut informiert. Es gab noch keine Gratiszeitungen und keine Medien, die uns in kleinen Häppchen das wichtigste zwischen durch eingaben. Im Unterricht hielt man sich bei Themen der Tagespolitik und der jüngeren Geschichte nobel zurück. Insgesamt war die Informationsbeschaffung viel schwieriger. Was man nicht wusste musste man erfragen oder nachschlagen. Bekam man zuhause oder in der Schule keine zufriedenstellende Antwort oder war das benötigte Nachschlagewerk nicht vorhanden, musste man in die Bibliothek. Oftmals gab man sich daher mit Halbwahrheiten, Gerüchten oder Legenden zufrieden.

Diese Aufzählung ist lückenhaft, zeigt aber welchen Änderungen unsere Kultur auch in einem relativ kleinen Zeitraum wie den hier betrachteten 25 bis 35 Jahre unterworfen ist. Die Zeit damals war weder besser noch schlechter als die heutige, sie war einfach anders.

Weitaus mehr als durch Zuwanderung wird unsere Kultur durch den technischen Fortschritt, die Erweiterung unseres Wissens, den einfacheren Informationserwerb und die globalisierten Medien geändert. Und viel mehr, als es die Zuwanderer jemals können, haben wir immer schon freiwillig fremde Kulturen kopiert und Teile davon in unsere eigene integriert.

Wenn es dunkel wird

Sie studieren irgend ein völlig überlaufenes Fach, trinken ihren Kaffee unterwegs aus Schnabelbechern, mit denen Kleinkinder ihre Freude hätten und belegen im Kaffeehaus ohne etwas zu konsumieren mit dem Notebook bewaffnet für Stunden einen ganzen Tisch. An der Speisenausgabe in der Mensa nerven sie mit dem ewig wiederkehrenden Satz: “ohne Fleisch bitte” und merken nicht, wie sie all das Cholesterin über die Sauce zu sich nehmen.  Sie schlecken keine Briefkuverts ab, sondern versuchen mit zweifelhaftem Erfolg die Gummierung mit dem im Mund befeuchteten Finger klebend zu machen. Dafür küssen und umarmen sie ihre Studienkollegen. Sie tragen keine Armbanduhren, weil sie ja eh ihr Handy immer bei sich und mehrere Stunden am Tag am Ohr, bzw. mit angestecktem Kopfhörer schräg vor dem Mund haben. Sie trinken Mineralwasser ohne Kohlensäure aber anstatt gratis aus dem an der Wasserleitung gefüllten Glas kostenpflichtig aus der gekauften Plastikflasche.

Aber wenn es dunkel wird im Kino, dann beginnt das große Fressen. Nein, sie essen nicht das am Kinobuffet gekaufte Popcorn oder ebendort erworbene Nachos. Sie sind ja sparsam und bringen daher ihre Jause vorzugsweise in laut raschelnden Sackerln mit. Es werden lautstark Chips zermalmt, Zuckerl zerbissen, Schokoriegel zergatscht. Ist der erste Gang erledigt, wird in diversen Taschen und Rucksäcken gekramt um den Nachschlag aufzufinden und zu vernichten. Dazu wird, nachdem die laut geöffneten Getränkedosen geleert wurden, aus den bekannten Plastikflaschen mit diversen bislang völlig unbekannten Früchten z. B. des Elefantenbaumes versetztes kohlensäurefreies Mineralwasser getrunken. Was heißt getrunken… wer hat sie noch nicht dabei beobachtet wie sie fast meditativ obwohl nicht durstig die Plastikflasche ansetzen und langsam die Flüssigkeit in den Körper zwingen. Dass das nicht geräuschlos geht, liegt auf der Hand.

Jene Exemplare, die in den vorangegangenen Wochen immer und immer wieder die Vorschau für den jeweiligen Film gesehen haben, sprechen bei den daher schon bekannten Szenen lautstark den Text mit. Die besonders klugen erklären den weniger gescheiten gleich auch den Film und weisen rechtzeitig “jetzt pass auf” auf besondere Szenen hin. Die Füße haben sie nicht am Boden sondern unter ihrem Gesäß auf dem Sitz. Dass dadurch der Hintermann am unteren Bildrand ständig einen völlig unerwünschten Schopf sieht, ficht sie nicht an. Spätestens nach einer Stunde Filmlaufzeit, also eine halbe Stunde nachdem der letzte Besucher den Kinosaal betreten hat und seinen Platz nach umständlicher, störender Suche gefunden hat, denn Pünktlichkeit ist eine unmoderne Tugend, beginnt im dunklen Saal der Glühwürmcheneffekt, wenn die Handydisplays zu leuchten beginnen, weil sich die Eigentümer entweder über die aktuelle Uhrzeit orientieren oder schnell eine empfangene SMS lesen und beantworten, bzw. den Urheber eines versäumten Anrufes über ihren Aufenthaltsort informieren wollen.

Ist die Kinoleinwand kleiner als 30 Quadratmeter, dann empören sie sich lautstark darüber und stellen fest, dass sie sich den Film genauso gut im Fernsehen hätten anschauen können. Hoffentlich tun sie das in Hinkunft.

Was dem Hitler die Juden…

Als Regierender oder Herrscher hat man dafür zu sorgen, dass das Volk auf der richtigen nämlich der eigenen Seite bleibt. Um das zu erreichen, kann man z. B. Dinge tun, die gut für das Volk sind, bzw. die vordergründig gut ausschauen. Leider findet sich aber immer jemand, dem das nicht genügt oder der das Propagandahafte daran entdeckt. Wenn der laut genug schreit, muss man sich etwas Neues einfallen lassen. Eine viel bessere Methode scheint es daher zu sein, einen Feind zu finden. Wenn aber kein Feind zur Hand ist, dann muss man sich halt einen machen. Adolf Hitler hat es sich einfach gemacht und sich an den Juden bedient. Antisemiten gibt es schon solange unsere Geschichte aufgeschrieben wird. Und das Volk hat fleißig mitgemacht. Heute ist die Sache zwar etwas schwieriger, weil die Bevölkerung allgemein aufgeklärter ist als damals, aber mit etwas Fantasie findet man schon seinen Feind. Man nehme einfach das hauptsächliche Wahlkampfthema des lästigen sogenannten dritten Lagers und suche sich das Faktum, das daran am wenigsten verwerflich scheint und voila: der Feind in Person aller nicht deutsch sprechenden Einwohner dieses Landes ist gefunden.

Wen nervt es denn nicht, wenn man in der Straßenbahn, im Warteraum wo auch immer, im Supermarkt und im Schulhof kein Wort versteht, weil sich die Mitwartenden, -fahrenden, -einkaufenden, -pausierenden in einer unverständlichen Sprache unterhalten? Wer freut sich darüber, wenn er es ständig mit Klienten zu tun hat, die sich kaum verständlich machen können? Ein gutes Thema also für fast alle politischen Richtungen.

Unlängst hörte ich einen meiner Kollegen sehr freundlich zu einem Patienten sagen, dass er nächstes Mal bitte einen Dolmetscher mitbringen solle, weil seine Deutschkenntnisse zu schlecht für ein brauchbares Arztgespräch seien. Damit hat er sicher nicht unrecht gehabt. Trotz all der Technik über die unsere moderne Medizin verfügt, ist ein ordentliches Gespräch – Anamnese genannt – unumgänglich um zu einer korrekten Diagnose und letztendlich auch richtigen Therapie zu kommen. Der angesprochene Patient ist erst recht kurz in Österreich, hat aber den staatlich verordneten Deutschkurs absolviert.

Das Innenministerium schreibt zum Thema Niederlassungs- und Aufenthaltsgesetz, dass Grundkenntnisse der deutschen Sprache erforderlich sind um einen dauerhaften Aufenthaltstitel zu erhalten. Der Ausländer erspart sich den Besuch eines entsprechenden Kurses, wenn er unsere Sprache in der Heimat mit mindestens dem Niveau unserer neunten Schulstufe in der Schule gelernt hat. Diese Deutschkenntnisse seien besonders wichtig um “am gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Leben in Österreich teilhaben zu können”. Liebes Innenministerium! Mit lediglich Grundkenntnissen werde ich weiterhin Probleme haben am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können. Aber auch Pflichtschulniveau reicht nicht, um mich lückenlos ausdrücken zu können. Der geneigte Leser hat mit großer Wahrscheinlichkeit acht oder mehr Jahre an einer Österreichischen Schule englisch gelernt. Hand aufs Herz, wissen Sie/weißt Du was “Durchfall” auf Englisch heißt? Die Diskrepanz der beiden gesetzlich geregelten Möglichkeiten (Grundkenntnisse hier erworben/Pflichtschule hier besucht oder im Ausland entsprechendes Niveau erworben) erklärt sich ganz einfach daraus, dass man zwar seinen Feind braucht aber genau weiß, dass es den Deutschkurs nicht gibt, der den Migranten in kurzer Zeit sprachlich assimiliert.

Also wenn ich es einerseits für notwendig halte, dass alle Einwanderer entweder schon Deutsch können oder es hier schnell erlernen, ich dafür aber nicht suffizient sorgen kann, denn eine Sprache wirklich zu lernen dauert nun einmal viele Jahre, dann müsste ich folgerichtig die Grenzen sofort dicht machen. Andererseits… da gibts ja noch die EWR-, die EU-Bürger und die Schweizer. Die brauchen gar keinen Aufenthaltstitel und ergo auch keine Deutschkenntnisse. Ja, wir können nicht einmal voraussetzen, dass die alle Englisch können. Was mach ich denn mit denen? Oder jene, die wir selbst in den 60er- und 70er-Jahren des letzten Jahrhunderts in Südeuropa angeworben haben und die natürlich ihre Familien geholt oder hier neue Familien gegründet haben. Die sind zum Großteil Österreicher, sprechen aber mit großer Wahrscheinlichkeit untereinander nicht Deutsch. Wenn sie vernünftig sind, dann haben sie ihren Kindern die eigene Muttersprache beigebracht. Die können wir gar nicht in die ehemalige Heimat, bzw. das Herkunftsland ihrer Vorfahren zurück schicken. Spindelegger behauptet, dass wir dringend qualifizierte Einwanderer brauchen und Fekter konkretisiert, dass die schon zuhause Deutsch gelernt haben müssen. Klingt gut, aber wie gut – siehe oben – wird deren Deutsch sein? Menschen, die in Österreich Asyl zugesprochen bekommen, arbeiten meist dort, wo sie von anderen Ausländern bzw. Österreichern niedrigen Bildungsniveaus umgeben sind. Wo sollen die ein ordentliches Deutsch lernen? Wohlhabende Österreicher nehmen ihre Kinder aus den öffentlichen Schulen und vergrößern dort das Problem der schlechten Deutschkenntnisse der Schüler.

Österreich ist und war schon immer, auch wenn das immer geleugnet wird, ein Einwanderungsland. Wenn man ein vor allem Ostösterreichisches Telefonbuch aufschlägt, findet man Namen aus aller Herren Länder. Der typische Wiener hat Böhmische, Polnische oder Ungarische Vorfahren. Ich bin von meiner Herkunft ein typischer Wiener. Meine Großmutter ist in Slowenien geboren, ihr Vater war Serbe und der Vater meines Großvaters war der Spross eines Böhmen und einer Ungarin. Mein Name dürfte aus Schlesien stammen. Wien war schon immer ein Schmelztiegel. Die Österreichischen Regierungen betonen ständig, dass die gute Beziehung zum Osten ein enormer wirtschaftlicher Vorteil für uns ist. Woher kommt den das? Österreich wird ein Einwanderungsland bleiben, weil sonst aufgrund des negativen Bevölkerungswachstums unser Sozialsystem zusammenbrechen würde. Und wie schon Christian Rainer vor Kurzem geschrieben hat, ist Österreich eines der reichsten Länder dieses Planeten und hat daher die moralische Pflicht Verfolgte, Geschändete, Gequälte oder einfach nur Hungernde aufzunehmen.

Nichts und niemand wird also ändern können, dass Menschen mit schlechten oder nicht vorhandenen Deutschkenntnissen nach Österreich zuwandern. Damit müssen wir uns abfinden und uns anpassen. Wir müssen uns bemühen sie ordentlich zu integrieren, dann werden sie automatisch unsere Sprache lernen. Dazu gehört aber auch sie ihre eigene Sprache sprechen zu lassen, sonst ist eine Integration nicht möglich. Was also Fekter, Häupl und Co. von sich geben ist nichts anderes als hirnloses Wahlkampfgetöse, dass den Rechten noch in die Hände spielt.

PS: Wann wird Maria Fekter eigentlich den Österreichern Anna Netrebko, Francesca Habsburg-Lothringen oder Ivica Vastic die Deutschprüfung abnehmen?

Bitte bleibt alle zuhause

Ich mag keine Ausländer. Wenn sie in ihrer Muttersprache sprechen und meistens tun sie das, komme ich mir fremd in der eignen Stadt vor. Sie schädigen unsere Kultur, weil sie ihre eigene mitbringen. Ihr Essen stinkt meistens und deshalb sie selbst auch. Sie nehmen uns die Arbeitsplätze weg und wenn sie nicht arbeiten, belasten sie unser Sozialsystem. Als Touristen halten sie alle auf, weil sie sich nicht auskennen und unberechenbar die Richtung ändern.

Ich mag keine alten Leute. Sie brauchen für alles dreimal so lang und halten daher alle auf. Die, die sich nicht von ihrer  Arbeit trennen können, nehmen den Jungen die Arbeitsplätze weg und die anderen belasten unser Sozialsystem, weil sie ständig krank sind. Viele von ihnen haben schon teilweise die Kontrolle über ihren Darm und ihre Harnblase verloren, deshalb stinken sie. Weil sie schwerhörig sind, drehen sie die Fernsehgeräte zu laut auf und unterhalten sich schreiend.

Ich mag keine Kinder. Sie bewegen sich auf der Straße oder im Supermarkt unberechenbar und halten daher alle auf. Sie machen Lärm indem die kleinen grundlos schreien und die größeren mit ihren Skateboards durch die Gegend fahren. Die kleinen tragen Windeln und die großen waschen sich nicht, daher stinken sie. Sie senken die Effizienz ihrer Eltern und schädigen damit die Wirtschaft. Dafür bekommen sie staatliche Zuschüsse. Weil sie oft krank sind, belasten sie unser Sozialsystem. Sie schädigen unsere Kultur, weil sie ihre eigene entwickeln. Und weil sie auch ihre eigene Sprache sprechen, komme ich mir fremd in der eigenen Stadt vor.

Ich mag keine Frauen. Sie bleiben in öffentlichen Verkehrsmitteln und in Geschäften immer dort stehen, wo es am engsten ist und halten daher alle auf. Viele, vor allem die jüngeren, benützen zu viel Parfum und stinken daher. Sie kommandieren ihre Männer mit lauter Stimme und senken deren Leistungsbereitschaft. Damit schädigen sie unsere Wirtschaft. Indem sie bei öffentlichen Stellenausschreibungen bevorzugt werden müssen, nehmen sie den Männern die Arbeitsplätze weg.

Ich mag keine Burgenländer und Steirer. Wenn sie in ihrer Sprache sprechen und meistens tun sie das, komme ich mir fremd in der eigenen Stadt vor. Sie nehmen den Wienern die Arbeitsplätze weg und weil sie alle vom Land kommen sprechen sie laut. Sie bringen ihre Kultur mit und schädigen damit unsere.

Ich mag keine Autofahrer. Autos machen Lärm und stinken. Weil sie oft falsch parken und die öffentlichen Verkehrsmittel behindern, halten sie mich auf. Sie schädigen unsere Kultur, weil sich durch den Straßenbau unsere Stadt verändert und die Abgase unsere Prachtbauten beschädigen. Durch die benötigte Infrastruktur und die vielen Unfälle belasten sie unser Budget und das Sozialsystem.

Die sollen bitte alle Zuhause bleiben. Wien würde mir viel besser gefallen, wenn nur ich hier wäre.

Gespräch zwischen Wienern

Mir läuft heute völlig unerwartet eine ehemalige Kollegin über den Weg, die schon seit einigen Jahren in Ruhestand ist.

Ich (überrascht): “Frau Oberarzt!”

Sie (auch überrascht): “Herr Hanisch!”

Handschütteln

Ich: “Wie gehts ihnen? Gut schaun sie aus.”

Sie: “Ja danke, sie schaun aber auch gut aus.”

Ich: “Ja leider. Ich glaub der geht nicht mehr weg.”

Anglizistischer Germanismus oder doch umgekehrt?

Ich bin immer wieder fasziniert, wie es auch unsere selbsternannte Sprachelite (Zitat: die richtige Aussprache hört man im Radio) in Form der versammelten Redakteure und Präsentatoren meines dennoch liebsten Radiosenders Österreich 1 schafft, Anglizismen ins Deutsche zu übersetzen und derartig nachhaltig als richtig zu verkaufen. Hier nur einige Beispiele:

Nichts macht Sinn. Dinge sind sinnvoll oder eben nicht. Sinn wird nur im Englischen gemacht, hierzulande wird Sinn gehabt oder ergeben. Sinnlos ist also der Versuch der Sinnesproduktion.

Wörter können nicht meinen. Ein Wort kann bestenfalls etwas bedeuten. Dinge meinen prinzipiell nichts, können Sie doch auch keine Meinung haben. Also ist meint im Zusammenhang mit es nur dann richtig, wenn von einem Mädchen oder sehr unmodern Fräulein getan. Trotzdem hört man die Phrase “das meint” beinahe schon täglich.

Einen Doppelfehler begeht jemand, der fragt, welches Blatt jemand auf der Hand hat. Denn die Hand ist ja bereits das Blatt. Zumindest dort, wo man englisch spricht. Wir haben Karten im Blatt oder bestimmte Werte in den Karten. Auf der Hand haben wir höchstens Schwielen, meistens haben wir die jedoch auf den Händen, wenn auch wahrscheinlich nicht vom Kartenspielen. Englisch sind verschwielte Hände übrigens horny, aber ich versuche nicht mir vorzustellen, wonach die gieren.

Wen jemand einen guten Job macht, dann sollte das ja eigentlich kein Grund zur Freude sein. Ich zumindest ärgere mich meistens, wenn mir jemand Arbeit macht, selbst wenn dieselbe gut ist. Jedoch freue ich mich über gute Arbeit, die jemand erledigt oder verrichtet hat, wenn auch so manche Verrichtung etwas anrüchig sein könnte.

Putin und Matthias Euba in der Antarktis

Folgender hanebüchene Unsinn wurde an mich von @Probenzeitung auf Twitter herangetragen und kann in der ORF-TV-Thek angeschaut werden.

Am 29. April 2010 erzählte uns Matthias Euba auf ORF 1 im ZIB-Flash um 16:20 und 18:55 Uhr folgendes:

Der Russische Regierungschef Putin hat seine Liebe zu den Eisbären entdeckt. In der Antarktis am nördlichsten Russischen Grenzposten hilft er Forschern einem 230kg schweren Eisbären einen Peilsender umzubinden.

Nach getaner Arbeit vergisst Putin aber nicht auf die wirtschaftlichen Interessen Russlands. Immerhin können durch das Abschmelzen der Pole in der Antarktis Öl- und Gasfelder erschlossen werden und wem das Land gehört, das ist nämlich noch unklar. Um die Antarktis wird nach wie vor zwischen Russland, Dänemark, Norwegen und den USA gestritten.

Als erstes dachte ich mir nur “Häää?”. So viel geballter Unsinn in nur 33 Sekunden ist sicher rekordverdächtig.

Hin und wieder kann man sich versprechen und ähnlich klingendes verwechseln. Aber wenn ein Nachrichtensprecher in mehreren Sendungen denselben Unsinn von sich gibt, muss ich vermuten, dass er es nicht besser weiß oder ohne nachzudenken, den Text von jemandem, der es nicht besser weiß, abliest.

Putin war in der Arktis und nicht Antarktis. Nur in der Arktis gibt es Eisbären. Die Antarktis ist das mit den Pinguinen.

Der äußerste nördliche Grenzposten Russlands befindet sich im Arktischen Raum. Ich glaube allerdings nicht, dass an irgendwelchen Grenzstationen der Russischen Föderation mit Norwegen, Sender an Eisbären montiert werden. Vielmehr denke ich, dass man Außenposten meinte.

Dänemark, Russland, die USA, Norwegen, Kanada und die Europäische Union (letztere zwei hat man uns unterschlagen) streiten darum, wer wieviel und wo genau den nordpolaren Meeresboden ausbeuten darf. Die Arktis ist kein Land um das man streiten kann. Im umstrittenen Gebiet existiert keine Landmasse. Es handelt sich um internationales Gewässer.

“Durch das Abschmelzen der Pole in der Antarktis” ist die Krönung des Unsinns. Weder in der Arktis noch in der Antarktis gibt es abschmelzbare Pole. Unsere Erde verfügt über zwei Pole. Beide sind rein geometrische Punkte an beiden Enden der Erdachse. Die können demnach auch nicht abschmelzen. Was gemeint ist, ist das Abschmelzen der sogenannten Polkappen, also das Schmelzen des Eises in der Arktis und Antarktis.

Wie gesagt, es kann schon einmal passieren, dass man versehentlich ein “Ant” dazusagt, wo keines hingehört. Aber wenn der stellvertretende Informationschef von ORF 1 abschmelzende Pole in der Antarktis sucht, dann stimmt ganz grob was nicht, das sich nicht mit einem Irrtum erklären lässt.

Ich hab Herrn Euba eine E-Mail bezüglich seiner Sendung geschrieben, aber freilich keine Antwort bekommen. Ich hab schon seit August 2008 keine Antwort auf meine Seherbriefe mehr bekommen. Damals schrieb mir ein beleidigter Christoph Varga sinngemäß, dass er eh von den Fehlern in seinem Beitrag wisse, der normale ZIB-Seher es aber eh nicht merken würde. Möglicherweise stehe ich jetzt auf der ORF-internen Querulantenliste und werde sowieso ignoriert. Jedenfalls bestätigt mir diese Geschichte, dass es traurig um die Allgemeinbildung der Österreichischen Journalisten bestellt ist.

Update:

Herr Euba hat jetzt doch geantwortet und eingeräumt, dass so etwas einem Nachrichtenpräsentator und -redakteur, sowie stellvertretenden Chef der ORF 1 Information (ORF-1-Information ist im übrigen ein Wort und müsste als solches natürlich zusammengeschrieben bzw. durch Bindestriche zusammengefügt werden) nicht passieren dürfe und es besonders ärgerlich sei, dass es gleich zweimal auf Sendung ging. Er bedankt sich für meine Aufmerksamkeit und verbleibt, etc.

Unseriöse und unerwünschte Werbung

Ich habe mir vor ca. zwei Jahren um horrende 2,5 Euro ein Pickerl für meinen Briefkasten gekauft, auf dem unmissverständlich zu lesen ist, dass ich keine unadressierten Werbesendungen bekommen möchte. Seither bekomme ich auch fast keine von mir unerwünschte Werbung, wenn man von einem der in meiner Gegend zahlreichen Pizzazusteller absieht. Die fallen für mich unter die Kategorie “weiß es halt nicht besser”. Aber es gibt da auch einen großen Hersteller von Sicherheitstüren, der in Ebreichsdorf ansässig ist und den es nicht zu berühren scheint, dass es verboten ist, ohne meine Zustimmung Werbung in meinen Briefkasten einzuwerfen. Im vergangenen Jahr, hab ich vier Werbefaltblätter von ihm bekommen.

Wenn man sich dann dieses Faltblatt anschaut, bekommt man das Gefühl, dass es nicht wie Werbung ausschauen soll. Oben gleich der Hinweis “Wichtige Information für die Bewohner”, unter den zahlreichen Logos von Zertifizierungsstellen findet sich auch der Bundesadler. Damit sieht das ganze noch viel wichtiger aus. Und was da nicht alles drauf steht. In Wien werden täglich bis zu 50 Wohnungen aufgebrochen, steht da. Ich hab mir dann auch die Homepage dieser Firma angeschaut. Gleich auf der Titelseite läuft da ein Video, in dem mit dramatischer Musik unterlegt, aus der Sicht des Einbrechers gezeigt wird, wie er von einer Tür des genannten Herstellers ablässt und die Nachbartür fast geräuschlos ohne Mühe aufbricht. Origineller Weise prangt auf der Tür ein Aufkleber, der dem auf meinem Briefkasten sehr ähnlich sieht. Will man hier auch gleich ein Statement gegen Werbeverbote anbringen?

Auf der Homepage findet man unter anderem die Kontaktdaten kriminalpolizeilicher Beratungsdienste und Einbruchsstatistiken, die vom privaten Versicherungsverband Österreich und nicht vielleicht von der Kriminalpolizei stammen. Man findet auch den Hinweis, dass man sich vor unseriösen Firmen schützen soll.

Abgesehen davon, dass ich es niederträchtig finde mit der Angst von Personen Geschäfte zu machen, ist eine Firma, die glaubt sich nicht an Gesetze halten zu müssen, meines Erachtens nicht seriös.

Hypothetischer Realismus

Soeben hab ich im Radio gehört, wie ein Physiker behauptet hat, Glauben sei kein Konzept der Physik. Jetzt frage ich mich, ob die Entdeckung aller bisher bekannten physikalischen Gesetze, ob alle Erkenntnisse, Theorien und Hypothesen auf reinem Zufall fußen, ob alle Physiker oder auch alle anderen Wissenschaftler sich einfach unter Bäume setzen und auf den legendären Apfel warten, der ihnen auf den Kopf fällt, was angeblich nicht einmal Isaac Newton passiert ist.

Weiters hat oben zitierter Physiker erklärt, dass der Großteil der Physik aus hypothetischem Realismus besteht. Zuerst wird also im Allgemeinen eine Hypothese aufgestellt. Und was kann man mit einer Hypothese machen? Man kann versuchen sie zu beweisen oder zu widerlegen, aber zumeist muss man sich zunächst damit begnügen einfach an sie zu glauben. Und gerade die Physik besteht zu einem ganz großen Teil aus unbewiesenen Vermutungen, die uns aber so logisch erscheinen, dass wir sie als wahr hinnehmen. Also hypothetischer Realismus. Also glauben wir daran.

Demnach ist Glauben sehr wohl ein Konzept der Physik.

Die Kühe sind doch nicht schuld

2006 wurde in einem UN-Bericht (FAO) behauptet, dass die Nutztierhaltung für 18% des weltweiten Treibhausgasaustoßes verantwortlich sei. Ende 2009 erhöhte das Worldwatch Institute diesen Wert gar auf 51%. Somit würden etwa Rinder und Schweine mehr Treibhausgase prodzuieren als die Transportwirtschaft. Stimmt so nicht, hat Frank Mitloehner von der University of California Davis jetzt festgestellt. Bei den Rindern wären alle Faktoren, von der Futtermittelproduktion über den Transport bis hin zur Milchproduktion eingerechnet worden, während man beim Verkehr nur den Kraftstoffverbrauch der Fahrzeuge in die Berechnung einbezogen hätte. Die Nutztiere selbst produzierten laut Mitloehner in den Vereinigten Staaten nur 3% der Treibhausgase, während die Transportwirtschaft für 26% verantwortlich sei. Hier würden klassisch Äpfel mit Birnen verglichen, meint er.

Diese Aussage geistert seit Ende März durch die Medien, hat natürlich zu Artikel auf Klimaerwärmungsleugner-Sites geführt und wurde so oder so ähnlich unter anderem auch durch den Österreichischen Rundfunk verbreitet. Ich glaube schon, dass Mitloehner mit seiner Aussage prinzipiell recht hat, aber so wie es kolportiert wurde, werden auch hier Äpfel mit Birnen verglichen. Denn kann man von der USA-Nutztierhaltung und von der Art, wie in den Vereinigten Staaten transportiert wird, wirklich auf die ganze Welt schließen? Kann man mit Sicherheit nicht. Also wurde das entweder von den entsprechenden Jounalisten übersehen oder es war ihnen egal oder irgendjemand ist interessiert daran, dass die Meldung genauso publiziert wird.

Die ersten zwei Punkte sind relativ wahrscheinlich, wird doch in den letzten Jahren besonders gern aus Zeitmangel oder weils eh egal ist unrecherchiert abgeschrieben, bzw. fehlt bekanntermaßen vielen Journalisten jede Art von Allgemeinbildung. Ich hab jedenfalls keine halbe Stunde gebraucht um die jeweiligen Zusammefassungen der Publikationen zu lesen und den genannten Widerspruch zu entdecken.

Der dritte Punkt ist meines Erachtens weniger wahrscheinlich. Selbstverständlich haben die Atom-, die Erdöl- oder auch die Autoindustrie Interesse, dass der Klimawandel nicht ernst genommen wird. Und die werden nicht müde, die absurdesten Ideen zu verbreiten. Heute hab ich z. B. gelesen, dass Windkraftwerke die Klimaerwärmung noch beschleunigen, weil sie den Wind bremsen, der das Land abkühlt. Besonders interessant an diesem Argument finde ich, dass man einerseits leugnet, dass sich das Klima überhaupt erwärmt, aber andererseit sich bei der Antiwindkraftkampagne auf eben diesen angeblich nicht vorhandenen Klimawandel bezieht. Aber haben diese Lobbys wirklich die Macht sämtliche Medien zu kontrollieren? Andererseits – siehe oben – muss man die je eh nicht kontrollieren, sondern ihnen nur einen entsprechenden Brocken hinwerfen.

Fest steht, egal ob der Rückgang der Gletscher nur auf Fotomontagen existiert oder ob die Darmgase der Hühner den Treibhauseffekt verstärken oder ob die Entsorgung der Batterien aus Hybridautos deren günstiger Abgaswerte wieder kompensieren oder Energiesparlampen uns alle vergiften oder ob was auch immer stimmt und gleichzeitig nicht stimmt, tut es uns sicher nicht weh, wenn wir ein bisschen weniger Fleisch essen, etwas häufiger als bisher zu Fuß gehen, das Licht in gerade unbenutzten Räumen abdrehen, Fernsehgerät und PC nur einschalten, wenn wir sie gerade wirklich brauchen, etc. Wir richten damit definitiv keinen Schaden an und was uns die Lobbyisten erzählen und die Jounalisten falsch wiedergeben, kann uns dann wirklich egal sein.

Dansette