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Anglizistischer Germanismus oder doch umgekehrt?

Ich bin immer wieder fasziniert, wie es auch unsere selbsternannte Sprachelite (Zitat: die richtige Aussprache hört man im Radio) in Form der versammelten Redakteure und Präsentatoren meines dennoch liebsten Radiosenders Österreich 1 schafft, Anglizismen ins Deutsche zu übersetzen und derartig nachhaltig als richtig zu verkaufen. Hier nur einige Beispiele:

Nichts macht Sinn. Dinge sind sinnvoll oder eben nicht. Sinn wird nur im Englischen gemacht, hierzulande wird Sinn gehabt oder ergeben. Sinnlos ist also der Versuch der Sinnesproduktion.

Wörter können nicht meinen. Ein Wort kann bestenfalls etwas bedeuten. Dinge meinen prinzipiell nichts, können Sie doch auch keine Meinung haben. Also ist meint im Zusammenhang mit es nur dann richtig, wenn von einem Mädchen oder sehr unmodern Fräulein getan. Trotzdem hört man die Phrase “das meint” beinahe schon täglich.

Einen Doppelfehler begeht jemand, der fragt, welches Blatt jemand auf der Hand hat. Denn die Hand ist ja bereits das Blatt. Zumindest dort, wo man englisch spricht. Wir haben Karten im Blatt oder bestimmte Werte in den Karten. Auf der Hand haben wir höchstens Schwielen, meistens haben wir die jedoch auf den Händen, wenn auch wahrscheinlich nicht vom Kartenspielen. Englisch sind verschwielte Hände übrigens horny, aber ich versuche nicht mir vorzustellen, wonach die gieren.

Wen jemand einen guten Job macht, dann sollte das ja eigentlich kein Grund zur Freude sein. Ich zumindest ärgere mich meistens, wenn mir jemand Arbeit macht, selbst wenn dieselbe gut ist. Jedoch freue ich mich über gute Arbeit, die jemand erledigt oder verrichtet hat, wenn auch so manche Verrichtung etwas anrüchig sein könnte.

Putin und Matthias Euba in der Antarktis

Folgender hanebüchene Unsinn wurde an mich von @Probenzeitung auf Twitter herangetragen und kann in der ORF-TV-Thek angeschaut werden.

Am 29. April 2010 erzählte uns Matthias Euba auf ORF 1 im ZIB-Flash um 16:20 und 18:55 Uhr folgendes:

Der Russische Regierungschef Putin hat seine Liebe zu den Eisbären entdeckt. In der Antarktis am nördlichsten Russischen Grenzposten hilft er Forschern einem 230kg schweren Eisbären einen Peilsender umzubinden.

Nach getaner Arbeit vergisst Putin aber nicht auf die wirtschaftlichen Interessen Russlands. Immerhin können durch das Abschmelzen der Pole in der Antarktis Öl- und Gasfelder erschlossen werden und wem das Land gehört, das ist nämlich noch unklar. Um die Antarktis wird nach wie vor zwischen Russland, Dänemark, Norwegen und den USA gestritten.

Als erstes dachte ich mir nur “Häää?”. So viel geballter Unsinn in nur 33 Sekunden ist sicher rekordverdächtig.

Hin und wieder kann man sich versprechen und ähnlich klingendes verwechseln. Aber wenn ein Nachrichtensprecher in mehreren Sendungen denselben Unsinn von sich gibt, muss ich vermuten, dass er es nicht besser weiß oder ohne nachzudenken, den Text von jemandem, der es nicht besser weiß, abliest.

Putin war in der Arktis und nicht Antarktis. Nur in der Arktis gibt es Eisbären. Die Antarktis ist das mit den Pinguinen.

Der äußerste nördliche Grenzposten Russlands befindet sich im Arktischen Raum. Ich glaube allerdings nicht, dass an irgendwelchen Grenzstationen der Russischen Föderation mit Norwegen, Sender an Eisbären montiert werden. Vielmehr denke ich, dass man Außenposten meinte.

Dänemark, Russland, die USA, Norwegen, Kanada und die Europäische Union (letztere zwei hat man uns unterschlagen) streiten darum, wer wieviel und wo genau den nordpolaren Meeresboden ausbeuten darf. Die Arktis ist kein Land um das man streiten kann. Im umstrittenen Gebiet existiert keine Landmasse. Es handelt sich um internationales Gewässer.

“Durch das Abschmelzen der Pole in der Antarktis” ist die Krönung des Unsinns. Weder in der Arktis noch in der Antarktis gibt es abschmelzbare Pole. Unsere Erde verfügt über zwei Pole. Beide sind rein geometrische Punkte an beiden Enden der Erdachse. Die können demnach auch nicht abschmelzen. Was gemeint ist, ist das Abschmelzen der sogenannten Polkappen, also das Schmelzen des Eises in der Arktis und Antarktis.

Wie gesagt, es kann schon einmal passieren, dass man versehentlich ein “Ant” dazusagt, wo keines hingehört. Aber wenn der stellvertretende Informationschef von ORF 1 abschmelzende Pole in der Antarktis sucht, dann stimmt ganz grob was nicht, das sich nicht mit einem Irrtum erklären lässt.

Ich hab Herrn Euba eine E-Mail bezüglich seiner Sendung geschrieben, aber freilich keine Antwort bekommen. Ich hab schon seit August 2008 keine Antwort auf meine Seherbriefe mehr bekommen. Damals schrieb mir ein beleidigter Christoph Varga sinngemäß, dass er eh von den Fehlern in seinem Beitrag wisse, der normale ZIB-Seher es aber eh nicht merken würde. Möglicherweise stehe ich jetzt auf der ORF-internen Querulantenliste und werde sowieso ignoriert. Jedenfalls bestätigt mir diese Geschichte, dass es traurig um die Allgemeinbildung der Österreichischen Journalisten bestellt ist.

Update:

Herr Euba hat jetzt doch geantwortet und eingeräumt, dass so etwas einem Nachrichtenpräsentator und -redakteur, sowie stellvertretenden Chef der ORF 1 Information (ORF-1-Information ist im übrigen ein Wort und müsste als solches natürlich zusammengeschrieben bzw. durch Bindestriche zusammengefügt werden) nicht passieren dürfe und es besonders ärgerlich sei, dass es gleich zweimal auf Sendung ging. Er bedankt sich für meine Aufmerksamkeit und verbleibt, etc.

Unseriöse und unerwünschte Werbung

Ich habe mir vor ca. zwei Jahren um horrende 2,5 Euro ein Pickerl für meinen Briefkasten gekauft, auf dem unmissverständlich zu lesen ist, dass ich keine unadressierten Werbesendungen bekommen möchte. Seither bekomme ich auch fast keine von mir unerwünschte Werbung, wenn man von einem der in meiner Gegend zahlreichen Pizzazusteller absieht. Die fallen für mich unter die Kategorie “weiß es halt nicht besser”. Aber es gibt da auch einen großen Hersteller von Sicherheitstüren, der in Ebreichsdorf ansässig ist und den es nicht zu berühren scheint, dass es verboten ist, ohne meine Zustimmung Werbung in meinen Briefkasten einzuwerfen. Im vergangenen Jahr, hab ich vier Werbefaltblätter von ihm bekommen.

Wenn man sich dann dieses Faltblatt anschaut, bekommt man das Gefühl, dass es nicht wie Werbung ausschauen soll. Oben gleich der Hinweis “Wichtige Information für die Bewohner”, unter den zahlreichen Logos von Zertifizierungsstellen findet sich auch der Bundesadler. Damit sieht das ganze noch viel wichtiger aus. Und was da nicht alles drauf steht. In Wien werden täglich bis zu 50 Wohnungen aufgebrochen, steht da. Ich hab mir dann auch die Homepage dieser Firma angeschaut. Gleich auf der Titelseite läuft da ein Video, in dem mit dramatischer Musik unterlegt, aus der Sicht des Einbrechers gezeigt wird, wie er von einer Tür des genannten Herstellers ablässt und die Nachbartür fast geräuschlos ohne Mühe aufbricht. Origineller Weise prangt auf der Tür ein Aufkleber, der dem auf meinem Briefkasten sehr ähnlich sieht. Will man hier auch gleich ein Statement gegen Werbeverbote anbringen?

Auf der Homepage findet man unter anderem die Kontaktdaten kriminalpolizeilicher Beratungsdienste und Einbruchsstatistiken, die vom privaten Versicherungsverband Österreich und nicht vielleicht von der Kriminalpolizei stammen. Man findet auch den Hinweis, dass man sich vor unseriösen Firmen schützen soll.

Abgesehen davon, dass ich es niederträchtig finde mit der Angst von Personen Geschäfte zu machen, ist eine Firma, die glaubt sich nicht an Gesetze halten zu müssen, meines Erachtens nicht seriös.

Der Bundespräsident soll aktiver werden?

Peter Daser vom ORF hat heute gesagt, dass die niedrige Wahlbeteiligung den Startschuss für neue Diskussionen bezüglich des Amtes des Bundespräsidenten darstelle. Josef Bucher hat gemeint, dass das Amt reparaturbedürftig sei, weil es völlig zu einem Staatsnotariat verkommen wäre. Rudolf Gehring hat gesagt, dass die fehlende Aktivität Heinz Fischers für die geringe Wahlbeteiligung verantwortlich sei.

Wenn es neue Diskussionen gibt, dann sollten die zur Aufklärung der Bevölkerung, was denn das Amt des Bundespräsidenten ist, verwendet werden. Ganz offensichtlich wissen die Leute das nämlich gar nicht so genau. Und andere Politiker nützen lieber die Möglichkeit populistisch Zwischenwahlkampf zu betreiben, als aufzuklären.

Der Bundespräsident ist de facto der mächtigste Mann dieses Landes. Es gibt sonst keine einzelne Person, die derartig vieles alleine bestimmen kann. Aber seine Macht ist sinnvoll begrenzt. Für vieles benötigt er den Vorschlag oder die Gegenzeichnung der Bundesregierung oder des Nationalrates und/oder des Bundesrates. Auf diese Art wird unsere Republik von drei Organen regiert, von denen zwei direkt vom Volk gewählt werden. Und die Mechanismen sind derartig gestaltet, dass diese drei einander gegenseitig kontrollieren. Im Routinefall tut also der Bundespräsident nichts anderes, als die Regierung und den Nationalrat zu kontrollieren. Die Regierung hat er selbst bestellt. Also kann er sie auch ganz allein entlassen. Vielleicht meint Gehring ja das, wenn er mehr Aktivität fordert. Denn die Parteizentralen seien ja mitschuld an seinem schlechten Abschneiden. Na die würden schön schauen, wenn sie von heute auf morgen nichts mehr zum reden haben, weil ihre Organe in der Bundesregierung alle paar Wochen abgesetzt werden würden. Er kann Erkenntnisse des Verfassungsgerichtshofes exekutieren lassen. Vielleicht will Bucher das wegreparieren, damit in Kärnten weiterhin das lustige Ortstafelspiel gespielt werden kann.

Überdies hat der Bundespräsident noch eine Reihe Routineaufgaben, wie das Beglaubigen von Gesetzen, etc. Er vertritt unser Land nach außen. Und dann gibts noch sein Notverordnungsrecht und wir alle wollen nicht, dass er das ausüben muss.

Er ist alles andere als inaktiv. Wir merken nur im Allgemeinen nichts von seiner Tätigkeit. Wenn wir etwas davon merken ist entweder Weihnachten, Neujahr, Staats- oder Nationalfeiertag oder ein Besucher unseres Landes ist so wichtig, dass er es ins Fernsehen schafft oder, und das wünschen wir uns alle nicht, es ist Feuer am Dach und er muss sichtbar aktiv werden.

Ich mache folgenden Vorschlag: Die Politiker, die immer wieder meinen, der Bundespräsident sollte mehr oder weniger Macht haben oder er sollte ganz abgeschafft werden oder er sollte von der Bundesversammlung gewählt werden, sollen mir bitte zuerst erklären, wofür wir für 8 Millionen Einwohner 9 Bundesländer, über 20 Krankenkassen, 9 verschiedenen Tierschutzgesetze, 9 Jugendschutzgesetze, 9 Landesschulräte und zig Bezirksschulinspektoren, für jedes Land ein eigenes Dienstrecht für die Landesbediensteten und all die anderen Redundanzen brauchen und warum sie mit den Zähnen genannter Politiker verteidigt werden. Wenn sie das schaffen (oder besser abschaffen), dann können sie meinetwegen über das Amt des Bundespräsidenten diskutieren. Undiskutabel ist die seltsame immer wiederkehrende Idee, er solle Gesetze einfach aus eigenem Gutdünken ablehnen dürfen. Das würde uns an den Rand einer Diktatur rücken.

Hypothetischer Realismus

Soeben hab ich im Radio gehört, wie ein Physiker behauptet hat, Glauben sei kein Konzept der Physik. Jetzt frage ich mich, ob die Entdeckung aller bisher bekannten physikalischen Gesetze, ob alle Erkenntnisse, Theorien und Hypothesen auf reinem Zufall fußen, ob alle Physiker oder auch alle anderen Wissenschaftler sich einfach unter Bäume setzen und auf den legendären Apfel warten, der ihnen auf den Kopf fällt, was angeblich nicht einmal Isaac Newton passiert ist.

Weiters hat oben zitierter Physiker erklärt, dass der Großteil der Physik aus hypothetischem Realismus besteht. Zuerst wird also im Allgemeinen eine Hypothese aufgestellt. Und was kann man mit einer Hypothese machen? Man kann versuchen sie zu beweisen oder zu widerlegen, aber zumeist muss man sich zunächst damit begnügen einfach an sie zu glauben. Und gerade die Physik besteht zu einem ganz großen Teil aus unbewiesenen Vermutungen, die uns aber so logisch erscheinen, dass wir sie als wahr hinnehmen. Also hypothetischer Realismus. Also glauben wir daran.

Demnach ist Glauben sehr wohl ein Konzept der Physik.

Danke, liebe ÖBB

Danke, liebe ÖBB, für das Gutscheinheft, das ich wie jedes Jahr als treuer Stammkunde und Vielfahrer von Euch erhalten habe. Es ist zwar gleich dick wie immer, der Inhalt ist aber so wie jedes Jahr auch heuer wieder ein bisschen weniger wert geworden. Nicht nur, weil sich die Größe des Bahnnetzes und die Anzahl der Züge wieder reduziert haben, sondern weil heuer endgültig der letzte für mich brauchbare Gutschein aus diesem Heft verschwunden ist. Es ist ja in Wirklichkeit eh nicht nötig, dass ich wie 2008 zweimal und 2009 einmal auf die erste Klasse upgraden kann, wenn der Zug brechend voll ist. Es wurde ja Zeit, dass ich mich darauf besinne, welcher Klasse ich angehöre. Außerdem bin ich schließlich selbst schuld, dass ich kein Auto besitze, das ich mit dem entsprechenden Gutschein um immerhin 10 Euro billiger verfrachten könnte. Außerdem wäre es sowieso längst an der Zeit, dass ich den Führerschein mache um dann mit einem Mietwagen eines Eurer Geschäftspartner ermäßigt durch die Gegend zu fahren, anstatt immer öffentliche Verkehrsmittel zu benützen.

Danke, liebe ÖBB, für den 5 Euro Bargutschein, den ihr heuer dem Gutscheinheft beigelegt habt und den nur ich persönlich und nur am Schalter verwenden kann. Dass ich von Euch 10% Strafgebühr verrechnet bekomme, wenn ich meinen Fahrschein – tschuldigung mein Ticket – an der Personenkassa kaufe, macht nichts. Die kann ich ja jetzt bei meiner nächsten Fahrt nach Innsbruck mit dem Gutschein ausgleichen, indem ich ausnahmsweise die Fahrkarte nicht beim Automaten erstehe. Leider fällt mir nämlich sonst nichts ein, was ich am Schalter erledigen sollte. Reservieren werde ich meinen Sitzplatz nicht mehr, denn beim vorletzten Mal besaß ich zwar eine Reservierung für einen Fensterplatz im Großraumwagen, fand mich aber dann wegen einer falschen Wagenreihung auf dem Gangplatz in einem Sechserabteil wieder. Auf einem Platz, den ich auch im vollsten Zug noch finden würde. Beim letzten Mal bekam ich zwar meinen Fensterplatz im Großraumwagen und saß keine fünf Meter von der defekten Stirntür entfernt, die die ganzen fünf Stunden offen stand. Bei 200km/h wird es so laut, dass man aufhört seine eigenen Gedanken zu verstehen. Macht nichts, mir fallen ja bei solchen Gelegenheiten sowieso immer nur Texte wie dieser ein. Vielleicht sollte ich schon deswegen wieder öfter den Schalter frequentieren, um wie im letzten Sommer die Ausbildung Eurer Bediensteten zu verbessern, als ich der netten Schalterdame erklärte, wo dieses Strebersdorf denn ist, und dass ich deshalb nach Budweis über diesen Ort fahren musste, weil während des ganzen Jahres, die Tullner Donaubrücke saniert wurde und Ihr, liebe Bundesbahnen, die Züge umleiten musstet.

Danke, liebe ÖBB, dass Euer Kundenbindungsprogramm jetzt endlich eine ähnliche Qualität entwickelt, wie das meines Handynetzbetreibers. Das Niveau Eures Personals ist ja auch schon vergleichbar. Soll noch jemand behaupten, dass ein Eisenbahnbetrieb nicht so modern sein kann, wie ein Telekommunikationsunternehmen.

Aber, liebe ÖBB, schickt mir nächstes Jahr kein Gutscheinheft mehr. Ihr braucht das nicht. Ihr werdet auch in den nächsten Jahren dank der Weisheit unserer Landespolitiker das Monopol im regionalen und überregionalen Personenverkehr in Österreich behalten. So können sie weiter die Zuschüsse für den öffentlichen Verkehr reduzieren, und es Euch und Eure Kunden ausbaden lassen.

Weiß wählen ist keine Lösung

Die Unzufriedenheit mit der Arbeit unserer gewählten Volksvertreter wird immer größer. Ebenso nimmt das Interesse an der Politik immer mehr ab. Viele Menschen reagieren passiv darauf und ziehen sich zurück. Man geht nicht mehr zu den Wahlen hin. Die weniger Bequemen gehen hin und geben einen leeren oder ungültigen Stimmzettel ab. Selbstverständlich kann man auf diese Art protestieren, aber erreichen wird man damit nichts, außer dass die regierenden Parteien immer aggressiver das reine Hingehen zur Wahl bewerben werden. Denn gerade die, die Chancen haben gewählt zu werden, haben kein Interesse daran, wenn die Wähler dem Zufall überlassen, wer die Wahl gewinnen wird. Und genau das passiert aber, wenn man weiß wählt oder sich erst gar nicht an der Wahl beteiligt. Also sollte es im Interesse jedes Wahlberechtigten sein, dass möglichst wenige ungültige Stimmen abgegeben werden.

Was passiert eigentlich mit den ungültigen Stimmen? Sie werden gezählt und scheinen dann in der Statistik auf, haben aber rechtlich keinerlei Bedeutung. Man erreicht also unmittelbar nichts damit. Natürlich kann es für unsere Politiker nicht angenehm sein, wenn sie feststellen, dass immer weniger Leute genug Interesse an ihrer Arbeit zeigen. Andererseits fühlen sie sich möglicherweise dadurch auch ein bisschen weniger beobachtet. Also werden sie ihr Verhalten deshalb nicht in der Form, wie wir es gerne hätten, ändern. Wenn wir etwas ändern wollen, dann sollten wir sie bei jeder Gelegenheit daran erinnern, dass wir es waren, die sie gewählt haben, die sie bezahlen, deren Vertreter sie in Wirklichkeit ja sind, und dass wir es sind, die sie möglicherweise beim nächsten Mal nicht mehr wählen werden, indem wir jemand anderen wählen. Decken wir sie mit Briefen und E-Mails ein, schreiben wir Leserbriefe an Zeitungen, bloggen wir. Oder kandidieren wir selbst. Aber nicht zu wählen oder eine ungültige Stimme abzugeben, hilft möglicherweise denen, die wir gar nicht haben wollten.

Am schlimmsten finde ich ja, wenn Politiker selbst empfehlen weiß zu wählen. Ich bin der Meinung, dass das ein Grund für die Entfernung aus seinem Amt sein sollte. Die Sorge um das Wohlergehen des Volkes der Republik, des Landes, der Gemeinde oder des Bezirks gehört zu den höchsten Pflichten jedes gewählten Volksvertreters. Wenn also ein solcher der Meinung ist, dass die derzeit zur Wahl des Bundespräsidenten stehenden Kandidaten alle nicht geeignet sind, oder gar der Republik oder dem Staatsvolk schaden würden, dann ist es seine Pflicht, eine Alternative zu schaffen. Sei es indem er selbst kandidiert oder indem er einen aus seiner Sicht brauchbaren Kandidaten vorschlägt. Gerade bei den politischen Parteien gehört ja die Nominierung von Kandidaten zum normalen Tagesgeschäft. Aber die Empfehlung eine ungültige Stimme abzugeben, ist eine klare Pflichtverletzung, die nur im Rücktritt oder einer Amtsenthebung münden muss.

Will ich keinen der Kandidaten empfehlen und gleichzeitig hab ich aber keinen besseren zur Verfügung, dann muss ich den Mund halten. Hab ich Angst um das Wohl der Republik, muss ich handeln. Und das gilt auch oder gerade für eine regierende Partei.

Im Übrigen sollten sich diejenigen, die dafür sind, dass der Bundespräsident in Zukunft nicht direkt vom Volk sondern z. B. von der Bundesversammlung gewählt werden sollte, überlegen, dass das genau diejenigen oben zitierten sind, die uns jetzt weis machen wollen, dass weiß wählen eine Lösung ist.

Die Wiener Linien habens noch immer nicht kapiert

Gestern hat, wie jedes Jahr, der Vienna City Marathon statt gefunden. Eine Begleiterscheinung dieser immer wieder beeindruckenden Veranstaltung sind die zahlreichen Straßensperren. Das bedeutet natürlich auch, dass einige Linien des öffentlichen Verkehrs nicht in der gewohnten Form geführt werden können. Niemand wird ernsthaft dem Betreiber unseres Verkehrsnetzes der Wiener Linien GmbH und Co KG deshalb böse sein. Ich nehme aber diese Veranstaltung zum Anlass ein bisschen über den mangelhaften Kundendienst bei genanntem Unternehmen herzuziehen.

Vorausschicken möchte ich, dass die Wiener Linien ihre Arbeit an sich nicht so schlecht machen, wie es in der Öffentlichkeit oft aussieht. Wir haben in Wien eines der größten und vor allem dichtesten öffentlichen Verkehrsnetze der Welt, das in einem vergleichsweise dichten Takt bedient wird. Im Prinzip ist beinahe jedes Winkerl dieser flächenmäßig recht großen Stadt ohne bedeutende Fußwege ganztägig mit erträglichen Wartezeiten erreichbar. Die gut untereinander vernetzten Nachtlinien verbinden täglich während der gesamten Nacht im Halbstundentakt alle Stadtteile gut. Das alles schaffen die Wiener Linien trotz einer Stadtregierung, die entgegen der allgemeinen Meinung und entgegen der Eigenwerbung, so gar nichts für den öffentlichen Verkehr über hat. Ampeln werden in Wien grundsätzlich nicht vom öffentlichen Verkehr beeinflusst, sondern zwängen die Linien in ein Fahrplankorsett, das Fahrzeitverkürzungen und Aufholen von Verspätungen unmöglich macht. U-Bahn-Strecken werden nicht nach dem Bedarf der Fahrgäste bzw. der vorhandenen Bevölkerungsdichte gebaut, sondern nach den Wünschen der Bauindustrie. Die Wiener Linien müssen dort dann den Betrieb führen, obwohl Kosten und zu erzielende Gewinne weit auseinander klaffen, ohne dass die Stadt das dadurch entstehende Defizit ausreichend abgilt. Das sind nur zwei Beispiele, warum es das städtische Verkehrsunternehmen schwer hat. Man sollte also auch hier, wie bei grundsätzlich jeder Kritik, das ganze System betrachten und nicht jemandem Schwächen vorhalten, die er nicht selbst verursacht hat.

Ein Thema das aber ganz allein in der Verantwortung der Wiener Linien liegt, ist die Versorgung der Fahrgäste mit Informationen. Zum Beispiel wurden bezüglich des oben genannten Vienna City Marathons zwei unterschiedliche Arten von Plakaten an den Stationen angebracht. An den Haltestellen der Buslinien fand man ausschließlich die Änderungen am Busnetz und den lapidaren Hinweis, dass auch Straßenbahnlinien betroffen sein werden. Um aber letztere Information zu bekommen, musste man sich zu einer Straßenbahnstation begeben. Wie bei einem Geländespiel für Erwachsene, muss man sich die Auskunft aus mehreren Schnipseln zusammensetzen. Welche Strategie dahinter steckt, entzieht sich meiner Kenntnis und sprengt die Grenzen meiner Fantasie. Gibt es etwa Fahrgäste, die ausschließlich mit der Straßenbahn fahren und andere, die nur den Bus benützen? Hat man Angst, die Kunden zu überfordern, wenn man zuviel Information auf einmal weitergibt? Keine Ahnung.

Allerdings leben wir ja im 21. Jahrhundert, das Internet ist bereits erfunden und wurde auch von den kommunalen Betrieben unserer Stadt entdeckt. Im Newsbereich der Homepage der Wiener Linien findet man sprachlich originell (Linie X: ab ca. 08:45: fährt nur von Y nach Z) aber zumindest verständlich, in kompakter Form alle Änderungen aller Linien. Leider finden sich aber hier bereits konzeptionelle Schwächen. Statt den Namen der jeweiligen abweichenden Endstationen findet man irgendwelche Straßenbezeichnungen. Wer nicht ortskundig ist, wird mit der Angabe, dass zum Beispiel die Linie 2 nur bis Stadiongasse/Reichsratsstraße fährt, nichts anfangen können, abgesehen davon, dass es schlicht nicht richtig ist. Der 2er kann weder in der Stadiongasse noch in der Reichsratsstraße wenden und der Fahrgast kann in den genannten Straßen auch nicht aussteigen. Er wendete tatsächlich in der Station Dr. Karl Renner-Ring. Und nur diese Information ist für den Fahrgast interessant, denn nur von dort wird er Anschlüsse finden können. Ich hatte vor einiger Zeit einen Disput mit einem Bediensteten der Wiener Linien, der mich aus einem laut Aufschrift und Durchsagen über den Zimmermannplatz kurzzuführenden 43er schon in der Station Alserstraße hinauswarf. Auf die Frage, warum Zimmermannplatz draufsteht, wenn dann nur Alserstraße drin ist, bekam ich die Antwort, dass so eben die Schleife heiße, in der die Garnitur wenden würde. Auf meinen Einwand, dass diese Information aber irrelevant sei, bekam ich keine bzw. eine recht freche Antwort. Offensichtlich wird generell nicht verstanden, welche Informtionen für die Fahrgäste wichtig sind.

Eine weitere Möglichkeit, eine Route zu seinem geplanten Ziel zu bekommen, sind die zahlreich angebotenen elektronischen Fahrplanauskunftssysteme. Ich persönlich benütze aus diversen Gründen das der ÖBB. Versuchsweise habe ich gestern Vormittag eine Fahrt vom Dr. Karl Renner-Ring zur Weihburggasse um ca. 9:30 Uhr abgefragt. Wie erwartet, wollte mir das System weismachen, dass ich einfach mit dem 2er fahren könne. Leider war das zu diesem Zeitpunkt aufgrund der Sperre des Rings nicht mehr möglich. Die elektronische Fahrplanauskunft der Wiener Linien lieferte mir dieselbe falsche Information. Klar, das Datenmaterial wird ja von derselben Quelle stammen. Warum schafft man bis heute nicht, lange vorher bekannte Änderungen an den Linienrouten in diese Systeme einzuarbeiten. Der Vienna City Marathon wurde nicht erst vergangene Woche geplant und hat uns nicht völlig unerwartet getroffen. Der Termin des nächsten (17. April 2011) ist bereits heute bekannt und von der entsprechenden Homepage abzurufen. Es kann also echt kein Problem sein, sowas in die Auskunftssysteme einzubauen. Man muss es nur wollen.

Es gibt noch eine weitere Ebene der elektronischen Fahrplanauskunft: die webbasierte Echtzeitabfrage. Bei den Wiener Linien heißt das ganze i.tip und funktioniert auch im Allgemeinen recht gut. Leider nur im Allgemeinen. Während dem System die zweigeteilte Führung der Linie 13A bekannt war und es folgerichtig für die Station Neubaugasse keine Abfahrten anzeigte, gab es in der Station Kärnter Ring – Oper fast alle zehn Minuten Phantomzüge der Linie D. Sie näherten sich völlig unsicht- und unhörbar der Station, erreichten diese absolut pünktlich und fuhren ebenso pünktlich weiter, allerdings nur auf dem Papier, bzw. Display meines Rechners. Wenns beim 13A geht, muss es doch auch beim D-Wagen funktionieren. Ganz offensichtlich ist bei diesem in meiner Vorstellung eigentlich völlig selbsttätig arbeitenden System viel Handarbeit nötig. Denn anscheinend muss da jemand melden, dass es in bestimmten Haltestellen keinen Verkehr gibt, sonst glaubt das System, den Kontakt zu allen Fahrzeugen verloren zu haben und zeigt einfach irgendwas an. Wobei es in so einem Fall ja eigentlich die fahrplanmäßige Abfahrtszeit und keine Zeitspanne bis zur nächsten Abfahrt anzeigen sollte. Zu kompliziert? Anscheinend auch für denjenigen, der das System warten soll.

Zu meinem Lieblingsthema: die Abfahrtsanzeigen an den Stationen. Abgesehen davon, dass die Wiener Linien seit mittlerweile weit über einem Jahrzehnt diese Anzeigen installieren und bis heute noch immer nicht alle Haltestellen über so etwas verfügen, funtionieren sie auch nach wie vor nicht richtig und der Informationsgehalt ist meist wenig bis gar nicht brauchbar. Die größte Schwäche dieser Anzeigen ist ihre nicht vorhandene Flexibilität. Ein solcher Kasten kann nur Informationen zu EINEM Bus/Straßenbahnzug anzeigen. Will man aber die Abfahrtszeit des nächsten und übernächsten Kurses ausgeben, geht das nur hintereinander und nicht gleichzeitig. Konzeptbedingt sind Lauftexte nicht oder nur sehr schlecht möglich, die maximale Anzahl der darstellbaren Zeichen ist aber schon für die Bezeichnung mancher Endstationen zu klein, für sinnvolle Texte gar nicht zu gebrauchen. Außerdem ist die Software noch nicht ausgereift und arbeitet stur nach einem Schema, das seltsame Dinge hervorbringt. Bleibt ein Fahrzeug aus unbekanntem Grund irgendwo auf der Strecke länger stehen, dann zeigt die Anzeige alternierend zur normalen Abfahrtsanzeige “Stau in Zufahrt” völlig egal, was der wirkliche Grund ist, an. Zuletzt hab ich das in der Station Ottakring der Linie 46 stadteinwärts spät abends gesehen. Auf der Maroltinger- bzw. Thaliastraße vor dieser Station gibt es auch während der Hauptverkehrszeiten niemals einen Stau und schon gar nicht um halb zwölf nachts. Der durchschnittliche Fahrgast fühlt sich bei so einer Anzeige verar… auf den Arm genommen. In Innsbruck kann man auf den viel flexibleren Punktmatrixanzeigen immer den wahren Grund der Verzögerung ablesen, z. B. Falschparker in der XY-Straße. Fahrzeuge der Wiener Linien haben immer nur einen “Stau in der Zufahrt”. Wird eine Strecke von einer anderen Linie bei Einziehfahrten befahren, wie es z. B. bei Fahrzeugen der Linie 1 auf der Strecke der Linie 43 der Fall ist, kann man dieses Ereignis schon 45 Minuten vorher lesen. Da wechselt dann die Anzeige ständig zwischen “43 Neuwaldegg” in z. B. “5″ Minuten und “1 Hernals Wattgasse” in z. B. “39″ Minuten. Nachdem die Station Wattgasse auf derselben Strecke liegt, interessiert diese Information genau niemanden und hindert nur den Fahrgast am Erwerb der richtigen Information. Oder es wird der erste Nachtbus, der z. B. in 32 Minuten fährt schon lange vor der letzten Straßenbahn, die z. B. in 2 Minuten fährt, angezeigt. Wenn man das sieht und nicht lange genug wartet, bis die Anzeige wieder wechselt, glaubt man die Straßenbahn versäumt zu haben, ärgert sich und geht wahrscheinlich zu Fuß um dann nach kurzer Zeit von der Bim überholt zu werden. Seit einiger Zeit wird überdies der Betriebsschluss einer Linie nicht mehr angezeigt. Stattdessen steht dann nur “Bitte Fahrplanaushang beachten” dort. Das wird allerdings auch bei einer Störungen der Anzeige ausgeworfen.

Wer derartige Anzeigen schon in anderen Städten gesehen hat, kann sich nur über Wien wundern. Beinahe überall sonst sind diese Anzeigen mehrzeilig und können Lauftexte schnell genug darstellen, sodass sie auch gelesen werden. In Innsbruck sieht man die nächsten vier bis sechs Abfahrten und bekommt noch sonstige Hinweise, wie veranstaltungsbedingte Sperren ganz anderer Linien, etc. Wenn der 13A wieder einmal ewig nicht ankommt und dann natürlich gleich überfüllt ist, wäre es doch sinnvoll zu wissen, ob der nächste nicht eh schon kommt. Das würde die Verspätung des ersten Busses limitieren und den zweiten sinnvoll auslasten.
In Linz bekommt man auf Knopfdruck den Inhalt der Anzeige vorgelesen, was für Sehbehinderte ein ganz entscheidender Vorteil ist.

Gibt es in Wien eine Störung, dann wird das im Allgemeinen über Lautsprecher, mit denen viele Stationen ausgestattet sind, durchgesagt. Wenn man Glück, ein besonders gutes Gehör und viel Fantasie hat, kann man auch verstehen oder sich zumindest zusammenreimen, was da aus den Flüstertüten kommt. Denn die Digitaltechnik hat hier noch keinen Einzug gehalten. Unsere Haltestellen werden nach wie vor analog angefunkt. Demenstprechend verrauscht und meist viel zu leise, um den Autoverkehr zu übertönen, sind diese Ansagen. Selbiges gilt auch für entsprechende Durchsagen in den Fahrzeugen.

Selbstverständlich ist man bei den Wiener Linien auch noch nicht dahintergekommen, dass man sich nicht für das Verständnis der Fahrgäste bei Störungen oder sonstigen Behinderungen bedankt, sondern dafür um Entschuldigung bittet. Auch die Bitte um Verständnis ist nicht sehr sinnvoll. Das Verkehrsunternehmen hat nichts vom Verständnis des Fahrgastes, sondern sollte hoffen, dass die Kunden Mängel, auch wenn sie nicht hausgemacht sind, entschuldigen. Wenn auch noch Verständnis aufgebracht wird, ist das ein zusätzlicher Bonus, der aber auf keinen Fall erwartet werden darf. Ich würde mich so freuen, wenn einmal am Ende einer Durchsage ein “wir bitten die entstandenen Unannehmlichkeiten zu entschuldigen” kommen würde. Zudem hat sich in den letzten Monaten die Unsitte breit gemacht, Verhaltenshinweise an die Fahrgäste in den Fahrzeugen durchzusagen. Zu Beginn der Durchsage heißt es immer, dass die Wiener Linien wollen, dass ich mich wohler fühle und dann kommt die Anweisung, dass ich nicht Essen, die Musik nicht zu laut aufdrehen, meinen Müll nicht liegenlassen und was weiß ich alles soll. Na klar wäre es schön und ist es absolut wünschenswert, wenn sich alle Fahrgäste an die basalen Benimmregeln hielten. Aber bitte liebe Wiener Linien, kehrt zuerst vor der eigenen Tür. Niemals höre ich irgendetwas, was die Wiener Linien dafür tun wollen, damit ich mich wohler fühle. Wie wäre es, wenn einmal der Busfahrer, wie es bei privaten Betreibern schon lange üblich ist, während der Ausgleichszeit an der Endstation mit dem Besen durchs Fahrzeug marschiert oder die liegengelassenen Gratiszeitungen aufsammelt. Oder wie wäre es, wenn man in den Fahrzeugen Papierkörbe anbringt, wie es in Graz der Fall ist, sodass ich mich schnell der Zeitung meines Sitzplatzvorgängers entledigen kann.

Und wie wäre es, liebe Wiener Linien, wenn einmal dafür gesorgt würde, dass sich das eigene Personal an die Vorschriften hält? Tagtäglich unterfahren Fahrerinnen und Fahrer den Fahrplan und fahren im Abend-, Frühmorgen- und Nachtverkehr zu früh. Ich hab schon Verfrühungen um bis zu sechs Minuten im 15-Minutentakt erlebt. Kurze Anschlusszeiten von anderen Verkehrsmitteln sind dann dahin und aus drei Minuten werden 18 Minuten Umsteigzeit. Die Nachtbusse sind größtenteils wirklich gut miteinander vernetzt, aber wenn einer zu früh abfährt, hilft das garnichts. Und es gibt keine Ausreden dafür. In jedem Fahrzeug befindet sich ein Display, von dem der Fahrer jederzeit ablesen kann, ob er zu spät oder zu früh unterwegs ist. Außerdem werden die Fahrdaten der Züge und Busse protokolliert. Die könnten ja vollautomatisch ausgewertet werden und man könnte ein Prämiensystem einführen, das pünktliches Personal belohnt und notorische Zufrühfahrer bestraft. Leider gibts das nicht und so muss man weiterhin um seine Anschlüsse bangen. Von der Fahrgastvertretung, von privaten Newgroups, etc. werden seit Jahren Listen mit Verfrühungen geführt und regelmäßig an die Führung der Wiener Linien übergeben. Ein Erfolg ist nicht wahrzunehmen.

Besonders nett ist auch folgende Angewohnheit. Nähert sich ein Zug oder ein Bus einer Haltestelle in der sich bereits ein Zug oder Bus einer anderen Linie befindet, fährt man besonders langsam in die Station ein oder bleibt gar einige Meter dahinter stehen, sodass dem Kollegen vorne die Gelegenheit gegeben wird, wegzufahren, ohne von den lästigen Umsteigern aufgehalten zu werden. Das wird tatsächlich so praktiziert und ist auf eine Vereinbarung unter den Fahrerinnen und Fahrern der Wiener Linien zurückzuführen. Ich hab das jahrelang in der Station Rosensteingasse genossen und immer voll Freude meinem 9er nachgewunken.

Also um das alles auf einen Punkt zu bringen. Nicht alle Unzulänglichkeiten im öffentlichen Verkehr in Wien sind auf Verfehlungen oder Unterlassungen der Wiener Linien zurückzuführen. Ich werde in einem späteren Artikel auf die diesbezüglichen Versäumnisse und Fehler der Stadtregierung eingehen. Aber vieles verschuldet der Betreiber unserer öffentlichen Verkehrsmittel ganz allein und es wäre echt nicht schwierig, die hier aufgezählten Missstände aufzulösen. Man müsste einfach nur wollen.

Die Kühe sind doch nicht schuld

2006 wurde in einem UN-Bericht (FAO) behauptet, dass die Nutztierhaltung für 18% des weltweiten Treibhausgasaustoßes verantwortlich sei. Ende 2009 erhöhte das Worldwatch Institute diesen Wert gar auf 51%. Somit würden etwa Rinder und Schweine mehr Treibhausgase prodzuieren als die Transportwirtschaft. Stimmt so nicht, hat Frank Mitloehner von der University of California Davis jetzt festgestellt. Bei den Rindern wären alle Faktoren, von der Futtermittelproduktion über den Transport bis hin zur Milchproduktion eingerechnet worden, während man beim Verkehr nur den Kraftstoffverbrauch der Fahrzeuge in die Berechnung einbezogen hätte. Die Nutztiere selbst produzierten laut Mitloehner in den Vereinigten Staaten nur 3% der Treibhausgase, während die Transportwirtschaft für 26% verantwortlich sei. Hier würden klassisch Äpfel mit Birnen verglichen, meint er.

Diese Aussage geistert seit Ende März durch die Medien, hat natürlich zu Artikel auf Klimaerwärmungsleugner-Sites geführt und wurde so oder so ähnlich unter anderem auch durch den Österreichischen Rundfunk verbreitet. Ich glaube schon, dass Mitloehner mit seiner Aussage prinzipiell recht hat, aber so wie es kolportiert wurde, werden auch hier Äpfel mit Birnen verglichen. Denn kann man von der USA-Nutztierhaltung und von der Art, wie in den Vereinigten Staaten transportiert wird, wirklich auf die ganze Welt schließen? Kann man mit Sicherheit nicht. Also wurde das entweder von den entsprechenden Jounalisten übersehen oder es war ihnen egal oder irgendjemand ist interessiert daran, dass die Meldung genauso publiziert wird.

Die ersten zwei Punkte sind relativ wahrscheinlich, wird doch in den letzten Jahren besonders gern aus Zeitmangel oder weils eh egal ist unrecherchiert abgeschrieben, bzw. fehlt bekanntermaßen vielen Journalisten jede Art von Allgemeinbildung. Ich hab jedenfalls keine halbe Stunde gebraucht um die jeweiligen Zusammefassungen der Publikationen zu lesen und den genannten Widerspruch zu entdecken.

Der dritte Punkt ist meines Erachtens weniger wahrscheinlich. Selbstverständlich haben die Atom-, die Erdöl- oder auch die Autoindustrie Interesse, dass der Klimawandel nicht ernst genommen wird. Und die werden nicht müde, die absurdesten Ideen zu verbreiten. Heute hab ich z. B. gelesen, dass Windkraftwerke die Klimaerwärmung noch beschleunigen, weil sie den Wind bremsen, der das Land abkühlt. Besonders interessant an diesem Argument finde ich, dass man einerseits leugnet, dass sich das Klima überhaupt erwärmt, aber andererseit sich bei der Antiwindkraftkampagne auf eben diesen angeblich nicht vorhandenen Klimawandel bezieht. Aber haben diese Lobbys wirklich die Macht sämtliche Medien zu kontrollieren? Andererseits – siehe oben – muss man die je eh nicht kontrollieren, sondern ihnen nur einen entsprechenden Brocken hinwerfen.

Fest steht, egal ob der Rückgang der Gletscher nur auf Fotomontagen existiert oder ob die Darmgase der Hühner den Treibhauseffekt verstärken oder ob die Entsorgung der Batterien aus Hybridautos deren günstiger Abgaswerte wieder kompensieren oder Energiesparlampen uns alle vergiften oder ob was auch immer stimmt und gleichzeitig nicht stimmt, tut es uns sicher nicht weh, wenn wir ein bisschen weniger Fleisch essen, etwas häufiger als bisher zu Fuß gehen, das Licht in gerade unbenutzten Räumen abdrehen, Fernsehgerät und PC nur einschalten, wenn wir sie gerade wirklich brauchen, etc. Wir richten damit definitiv keinen Schaden an und was uns die Lobbyisten erzählen und die Jounalisten falsch wiedergeben, kann uns dann wirklich egal sein.

Wählen – Wie es dem Sohn beibringen?

Es heißt, die Jugend sei nicht an Politik interessiert und man müsse etwas dagegen unternehmen. Auch ich musste anlässlich der Wahl des Europaparlaments feststellen, dass mein eigener Sohn nicht genug Interesse daran aufbringt, um sein Gesäß die paar Gassen ins Wahllokal zu bewegen um wenigstens einen leeren Zettel abzugeben. Nur wie soll ich sein Interesse schüren?

Ich hoffe inständig, dass er gestern nicht auf die für ihn seltsame Idee gekommen ist, sich die Pressestunden mit den beiden Gegenkandidaten unseres amtierenden Bundespräsidenten anzuschauen. Außer dass sich der erste schon mit einfachen Sätzen und deren richtiger Grammatik schwer tat, wollte er uns noch weismachen, dass Kinderkrippen zwar nicht jedenfalls zu Hirnschäden bei den Kindern führen, die Chance auf einen solchen Schaden aber erhöhen würden. Weiters glaube er nicht daran, dass der Mensch durch einen evolutionären Prozess entstanden sei, sondern durch einen Schöpfungsakt, den er aber weil unerklärbar nicht näher erklären konnte. Keine zehn Minuten später, wollte er obige Aussage nie gemacht haben. Er würde auch so manche Gesetze nicht unterschreiben, konnte aber auch nicht erklären, wie das mit der Verfassung in Einklang zu bringen ist. Halt einfach nicht unterschreiben, weils ja gegen den Gleichheitsgrundsatz verstößt, wenn homosexuelle Partner eheähnlich zusammenleben wollen. Hä? Na egal… Gebetsräume in ehemaligen Wirtshäusern sind o. k., Moscheen dagegen nicht. Religionsfreiheit ist super, solange man den Nichtchristen nicht die Möglichkeit gibt, ihre Religion öffentlich auszuüben. Das hat er nicht so gesagt… keine Ahnung, aber gemeint muss er das so haben. Wie gesagt, Gehring und die deutsche Sprache… Zuletzt hat er uns noch erklärt, dass der RFID-Chip dafür konstruiert wurde, um in Menschen implantiert zu werden, damit diese dann ferngesteuert werden können. In Holland sei das ja schon der Fall.

Dann kam die Kandidatin, die Mutter von zehn Kindern, die sich als Hausfrau und Mutter bezeichnet und Landesrätin ist. Die natürlich nie behauptet hat und die nie der Meinung war und die überhaupt nicht… Was? Hier kann der Leser alles einsetzen, was Rosenkranz jemals von sich gegeben hat. Sie will die politische Klasse aufmischen und der politischen Klasse die Macht entziehen und im Gegensatz zum bisherigen Amtswalter, der übrigens der politischen Klasse angehört, das Amt mit Leben erfüllen. Auch sie ist der Meinung, dass eine einzelne Person allein den Beschluss von Gesetzen verhinden können sollte. Also eine Handvoll Regierungsmitglieder und zig Abgeordnete haben sich dann geirrt, weil die eine Präsidentin es besser weiß. Hauptsächlich, weil sie ja nicht der politischen Klasse angehört. Dass ihr bis 2008 ausgeübtes Amt als Nationalratsabgeordnete damit unnötig wird, ist egal. Sie hat uns ja auch ebensowenig erklärt, warum es dann noch diesen sündteuren Nationalrat geben soll, wie welcher Klasse denn eine ehemalige Landtags-, Nationalratsabgeordnete und aktive Landesrätin, also eine Person, die seit 17 Jahren von der Ausübung politischer Ämter lebt, angehört.

Was beide interviewten Kandidaten gemeinsam haben, sind die Widersprüche in die sie sich ständig verstricken. Bei Rosenkranz ist die Latenz zwischen sagen und dann doch nicht gesagt haben immerhin um ein paar Tage länger als bei Gehring. Der Wähler verfügt zwar angeblich nur über ein Kurzzeitgedächtnis, aber länger als zehn Minuten hält das dann doch. Meines hält übrigens schon seit jenem legendären Morgenjournal in dem Rosenkranz nicht behauptet hat, dass es keine Gaskammern gab. Das hat sie wirklich nicht behauptet, aber sie hat ohne Not auch nicht gesagt, dass es welche gab. Sie hätte damit keinen einzigen Wähler verloren (Welcher FPÖ-Wähler hört erstens Ö1, zweitens um sieben Uhr und weiß drittens nicht, dass es verboten ist die Existenz der Gaskammern im dritten Reich zu leugnen?) und hat trotzdem auf die entsprechende Frage nicht geantwortet.

Anscheinend hat es sich noch nicht herumgesprochen, dass, wenn man den Leuten nicht seine eigene Meinung sagt und nur das erzählt, von dem man glaubt, dass sie es hören wollen, man unglaubwürdig wird, weil man zwangsläufig irgendwann in einen Widerspruch gerät. Das kann zwar eine Weile ganz gut gehen, aber auf Dauer hat das noch nie funktioniert.

Also angenommen, mein Sohn hätte das gestern gesehen. Wie soll ich ihm nach solchen Vorstellungen klar machen, wie wichtig es ist, zu einer Wahl und konkret zu dieser Wahl hinzugehen. Ja natürlich, es gibt noch den bisherigen Amtsinhaber. Aber viel mehr als dass er seinen Job bisher ganz gut gemacht hat und dass seine Wiederwahl das für Österreich am wenigsten schädliche Szenario wäre, kann ich über ihn auch nicht sagen.

Ja, ich bin fest der Meinung, dass wir einen vom Volk direkt gewählten Bundespräsidenten brauchen, weil nur so das Machtdreieck zwischen ihm, dem Nationalrat und der Regierung aufrechterhalten werden kann. Aber wie das einem 16-jährigen erklären, der solch ein Theater im Fernsehen gesehen hat und außerdem noch Wahlplakate, deren Inhalt sich selbst akademisch Gebildeten schwer erschließt. Er wird sagen, dass ihn diese Idioten nicht interessieren und ganz ehrlich, wirklich unrecht hat er mit dieser Einstellung möglicherweise nicht.

Dansette