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Wenn es dunkel wird


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Sie studieren irgend ein völlig überlaufenes Fach, trinken ihren Kaffee unterwegs aus Schnabelbechern, mit denen Kleinkinder ihre Freude hätten und belegen im Kaffeehaus ohne etwas zu konsumieren mit dem Notebook bewaffnet für Stunden einen ganzen Tisch. An der Speisenausgabe in der Mensa nerven sie mit dem ewig wiederkehrenden Satz: “ohne Fleisch bitte” und merken nicht, wie sie all das Cholesterin über die Sauce zu sich nehmen.  Sie schlecken keine Briefkuverts ab, sondern versuchen mit zweifelhaftem Erfolg die Gummierung mit dem im Mund befeuchteten Finger klebend zu machen. Dafür küssen und umarmen sie ihre Studienkollegen. Sie tragen keine Armbanduhren, weil sie ja eh ihr Handy immer bei sich und mehrere Stunden am Tag am Ohr, bzw. mit angestecktem Kopfhörer schräg vor dem Mund haben. Sie trinken Mineralwasser ohne Kohlensäure aber anstatt gratis aus dem an der Wasserleitung gefüllten Glas kostenpflichtig aus der gekauften Plastikflasche.

Aber wenn es dunkel wird im Kino, dann beginnt das große Fressen. Nein, sie essen nicht das am Kinobuffet gekaufte Popcorn oder ebendort erworbene Nachos. Sie sind ja sparsam und bringen daher ihre Jause vorzugsweise in laut raschelnden Sackerln mit. Es werden lautstark Chips zermalmt, Zuckerl zerbissen, Schokoriegel zergatscht. Ist der erste Gang erledigt, wird in diversen Taschen und Rucksäcken gekramt um den Nachschlag aufzufinden und zu vernichten. Dazu wird, nachdem die laut geöffneten Getränkedosen geleert wurden, aus den bekannten Plastikflaschen mit diversen bislang völlig unbekannten Früchten z. B. des Elefantenbaumes versetztes kohlensäurefreies Mineralwasser getrunken. Was heißt getrunken… wer hat sie noch nicht dabei beobachtet wie sie fast meditativ obwohl nicht durstig die Plastikflasche ansetzen und langsam die Flüssigkeit in den Körper zwingen. Dass das nicht geräuschlos geht, liegt auf der Hand.

Jene Exemplare, die in den vorangegangenen Wochen immer und immer wieder die Vorschau für den jeweiligen Film gesehen haben, sprechen bei den daher schon bekannten Szenen lautstark den Text mit. Die besonders klugen erklären den weniger gescheiten gleich auch den Film und weisen rechtzeitig “jetzt pass auf” auf besondere Szenen hin. Die Füße haben sie nicht am Boden sondern unter ihrem Gesäß auf dem Sitz. Dass dadurch der Hintermann am unteren Bildrand ständig einen völlig unerwünschten Schopf sieht, ficht sie nicht an. Spätestens nach einer Stunde Filmlaufzeit, also eine halbe Stunde nachdem der letzte Besucher den Kinosaal betreten hat und seinen Platz nach umständlicher, störender Suche gefunden hat, denn Pünktlichkeit ist eine unmoderne Tugend, beginnt im dunklen Saal der Glühwürmcheneffekt, wenn die Handydisplays zu leuchten beginnen, weil sich die Eigentümer entweder über die aktuelle Uhrzeit orientieren oder schnell eine empfangene SMS lesen und beantworten, bzw. den Urheber eines versäumten Anrufes über ihren Aufenthaltsort informieren wollen.

Ist die Kinoleinwand kleiner als 30 Quadratmeter, dann empören sie sich lautstark darüber und stellen fest, dass sie sich den Film genauso gut im Fernsehen hätten anschauen können. Hoffentlich tun sie das in Hinkunft.

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Dansette